Ernährung & Ergänzung

Schwangerschaft - Ratgeber & Tipps - Ernährung & Ergänzung

Nicht nur Medikamente, Drogen, Alkohol oder Nikotin können Kinder im Mutterleib schädigen. Auch Art und Qualität der Ernährung der Mutter können die Entwicklung des Kindes fördern oder gefährden.

Für viele Frauen beginnt mit der „Planung“, meist aber spätestens bei der Feststellung einer Schwangerschaft, ein Umdenken, was ihren persönlichen Lebensstil und die Ernährung betrifft. Eine ausgewogene Ernährung kann in der Regel auch in der Schwangerschaft den Bedarf an Nährstoffen, Spurenelementen, Mineralien und Vitaminen decken. Zusätzlich kann in Form von Nahrungsergänzungsmitteln die Zufuhr von Folsäure, Jod und Vitamin D in Kombination mit der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) empfohlen werden. Eine ergänzende Gabe kann auch bei Eisen notwendig werden.

Essen und Trinken
Während der Schwangerschaft ist für die werdende Mutter und ihr Kind eine ausgewogene Ernährung mit dem richtigen Maß an Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen und viel Flüssigkeit wichtig. Die Flüssigkeitsmenge sollte bei 1,5 Liter pro Tag liegen, und der Flüssigkeitsbedarf sollte überwiegend durch ungesüßte, energiearme Getränke gedeckt werden. Bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels besteht meist kein erhöhter Energiebedarf. Erst ab dem vierten Monat brauchen Schwangere und Kind etwa 1.000 kJ (255 kcal) pro Tag mehr. Dabei ist vor allem die Nährstoffdichte, nicht die absolute Nahrungsmenge, entscheidend.
Der Kohlenhydratanteil der Nahrung sollte etwa 50 Prozent betragen. Ab dem vierten Schwangerschaftsmonat wird allgemein eine etwas erhöhte Gesamtproteinzufuhr empfohlen: Liegt die Empfehlung in Abhängigkeit vom Körpergewicht im Schnitt bei Nicht-Schwangeren zwischen 50 und 80 Gramm täglich, so kann die Proteinzufuhr in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf 80 bis 120 Gramm täglich angehoben werden.

Folsäure (Vitamin B9)
Vitamin B12, B6 und B2 sind an der Verstoffwechselung von
Folsäure und der Aminosäure Homocystein beteiligt. Niedrige Plasmaspiegel der Vitamine und des Folats können zu einem Anstieg des Homocysteinspiegels führen. Dies wirkt neurotoxisch und wird mit einer höheren Rate von Neuralrohrdefekten in Zusammenhang gebracht. Neuralrohrdefekte gehören mit einer Häufigkeit von 1:1.000 Neugeborenen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Bei etwa 50 Prozent der Kinder äußert sich die Fehlbildung als sogenannte Spina bifida, die Lähmungen, Miktions- und Verdauungssstörungen oder einen Wasserkopf zur Folge haben kann. Ein Enzym, das für den Abbau des Homocysteins verantwortlich ist, ist die sog. MTHFR (Methylentetrahydrofolatreduktase). Eine genetische Veränderung dieses Enzyms dürfte einen relativ häufigen Grund für einen Folatmangel bei gebärfähigen Frauen darstellen. Vor allem aber auch eine falsche und vitaminarme Ernährung, häufige Diäten, Nikotin- oder Alkoholkonsum können für einen Folatmangel ursächlich sein. Schätzungsweise nur etwa 20 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter weisen einen optimalen Folatspiegel auf.

Ein Folsäuremangel wird in der Regel nicht über die Folsäurekonzentration im Serum gemessen, sondern durch Erythrozytenanalyse. Typisch ist eine megaloblastäre, hyperchrome, makrozytäre Anämie mit erhöhtem MCV und MCH.
Mit dem Begriff Folat-Äquivalent wird der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit der natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommenden Folate und der synthetischen Vitaminform der Pteroylmonoglutaminsäure (PGA) Rechnung getragen. Die synthetische Vitaminform PGA ist, im Nüchternzustand verzehrt, nahezu quantitativ bioverfügbar. Im Gegensatz dazu wird für Nahrungsfolat eine mittlere Bioverfügbarkeit von 50 % angenommen. Sie ist niedriger, weil die in der Nahrung häufig als Polyglutamat vorkommenden Folate vor der Absorption enzymatisch zu Monoglutamat hydrolysiert werden müssen. Folat-Äquivalente sind somit wie folgt definiert:
1 μg Folat-Äquivalent
= 1 μg Nahrungsfolat
= 0,5 μg synthetische Folsäure (PGA).

Es ist wichtig, einen erniedrigten Folatspiegel nach Möglichkeit bereits 8-12 Wochen vor der Konzeption anzuheben. Schwangeren kann die zusätzliche Einnahme von

400 µg Folsäure täglich bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche, gegebenenfalls in Kombination mit Vitamin B12 bzw. als Multivitaminkombination zur Nahrungsergänzung empfohlen werden. Enthalten die Präparate 800 µg Folsäure, reicht ein Einnahmebeginn 4 Wochen vor der Empfängnis aus. Berücksichtigt man den erheblich erhöhten Folatbedarf in der Schwangerschaft insgesamt, so ist eine Folsäuresubstitution über die gesamte Schwangerschaft sinnvoll.

Für besondere Gruppen von Schwangeren wird sogar eine Dosierung von 5 mg Folsäure ab 2 Monate vor der Empfängnis bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche empfohlen: Frauen mit

  • Neuralrohrdefekten in der Familie oder bei früheren Schwangerschaften
  • spezifischen Genotypen, die assoziiert sind mit einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte
  • Erkrankungen mit Resorptionsstörungen (z. B. Morbus Crohn)
  • Adipositas mit einem BMI >35 kg/m2
  • Diabetes mellitus
  • Frauen, die antiepileptische Medikamente oder Folsäureantagonisten (Methotrexat, Sulfonamide) einnehmen

 

Jod
Die langjährige Einnahme oraler Kontrazeptiva (Antibabypillen), Rauchen und überwiegend jodarme Kost können auch einen Jodmangel der Schwangeren zur Folge haben. Um einer Schilddrüsenunterfunktion der Mutter und des Kindes vorzubeugen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine tägliche Zufuhr von 230-260 µg Jod für Schwangere. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf der Seite Schilddrüse im Kapitel Schwangerschaft.
Vitamin D
Ein Vitamin D-Mangel ist in den Industrieländern weit verbreitet. Vitamin D beeinflusst kritische Prozesse für die Implantation des Mutterkuchens, ist wichtig für die Entwicklung des fetalen Skeletts sowie die Reifung des Immunsystems. In der Schwangerschaft wird ein Mangel mit einem gehäuften Auftreten an Präeklampsien, Gestationsdiabetes, Frühgeburten und SGA-Feten in Verbindung gebracht. Die Kinder sollen mehr zu Bronchialerkrankungen neigen, eine verzögerte Sprachentwicklung und ein erhöhtes Diabetes-Risiko aufweisen. Eine Vitamin D-Zufuhr von 10-20 µg (400-800 I.E.) pro Tag für Schwangere und Stillende scheint angemessen zu sein. Weitere Informationen zu Vitamin D finden sich auf der Seite Frauenheilkunde - Bösartige Erkrankungen - Komplementäre Medizin.
Omega-3-Fettsäuren
Der Fettgehalt sollte nicht mehr als 30 Prozent der gesamten Energiezufuhr ausmachen. Vor allem ungesättigte Fettsäuren sind empfehlenswert. Besonders wertvoll sind langkettige Omega-3-Fettsäuren. Dazu gehören Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA). DHA wird unter anderem aus EPA gebildet und stellt somit das Endprodukt einer Stoffwechselkette dar. Omega-3-Fettsäuren finden sich in fetten Fischsorten wie etwa Lachs, Hering, Makrele oder Sardine, werden jedoch hierzulande meist nicht ausreichend mit der Nahrung aufgenommen. Dazu sind ein bis zwei Portionen fettreicher Seefisch pro Woche erforderlich. Wird kein oder nur wenig Seefisch verzehrt, ist ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel eine Nahrungsergänzung mit 200 mg Docosahexaensäure pro Tag sinnvoll. Dies ist besonders vegetarisch oder vegan lebenden Schwangeren zu empfehlen. DHA gibt es in Form von Kapseln, auch in Kombination mit Folsäure, oder in Form von angereicherten Lebensmitteln. Feten brauchen Omega-3-Fettsäuren für die Hirn- und motorische Entwicklung. Die Schwangerschaftsdauer soll bei Substitution verlängert, das Allergierisiko der Kinder gesenkt sein. Weiterhin wirken sie anti-arrhythmisch, schützen vor Herzinfarkt, senken die Blutfette und haben zahlreiche weitere positive Wirkungen im Körper.

Eisen
Der tägliche Eisenbedarf ist in der Schwangerschaft erhöht. Er liegt vor allem im letzten Drittel bei 30 mg pro Tag. Dies ist zum einen dem erhöhten Blutvolumen der Schwangeren geschuldet, zum anderen bildet auch der Fetus in der zweiten Schwangerschaftshälfte zunehmend Hämoglobin. Das meiste Eisen enthält rotes Fleisch. Gute Eisenquellen sind auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und weiße Bohnen, Nüsse, Vollkorngetreide und verschiedene Gemüsearten wie Grünkohl, Spinat und Brokkoli. Während der Schwangerschaft wird regelmäßig der Hämoglobinwert kontrolliert, um eine Blutarmut nicht zu übersehen. Weitere Informationen finden sich auf der Seite Eisenmangelanämie im Kapitel Schwangerschaft & Wochenbett.

Vitamin A
Vitamin A muss bei Kinderwunsch sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht zusätzlich substituiert werden, zumal bei hohen Dosen Fehlbildungen nicht ausgeschlossen werden können.

Vitamin B1 (Thiamin)
Thiamin ist im Kohlenhydratstoffwechsel aktiv, aber auch für neuromuskuläre Funktionen verantwortlich. Insofern können bei einem Thiaminmangel auch Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Immunschwäche auftreten. Fast 30 % der Frauen im fruchtbaren Alter erreichen nicht den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Wert von 1 mg. Zudem haben Frauen in der Schwangerschaft einen erhöhten Bedarf. Es sollte in einer Dosierung von 1,2 mg bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit ergänzt werden.

Vitamin B2 (Riboflavin)
Riboflavin spielt eine zentrale Rolle im oxidativen Stoffwechsel. Bei einem Mangel kommt es zu Entzündungen der Mundschleimhaut, Juckreiz am Genitale und Rhagaden. Die Blutbildung ist gestört. Neuropathische Symptome werden beschrieben. Ein Viertel der Frauen im gebärfähigen Alter liegt unterhalb des Referenzbereichs. In der Schwangerschaft erfolgt eine erhöhte Ausscheidung über den Urin. Aufgrund der Wsserlöslichkeit und bisher nicht bekannten Nebenwirkungen einer Überdosierung kann eine Menge von 1,5 mg bei Kinderwunsch sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit substituiert werden.

Vitamin B5 (Pantothensäure)
Pantothensäure ist beteiligt am Auf- und Abbau von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen. Bei einem Mangel kommt es zu dem Symptom der "brennenden Füße". Aufgrund einer fehlenden Toxizität und des vermuteten Mehrbedarfs in der Schwangerschaft erscheint eine Substitution mit 6 mg gerechtfertigt.

Vitamin B6 (Pyridoxin)
Pyridoxin ist ein Koenzym im Homocysteinstoffwechsel und damit am Aufbau verschiedener Zellen beteiligt. Eine starke Unterversorgung kann sich durch eine Entzündung im Nasen-Mund-Bereich äußern sowie in einer Anämie. Der Bedarf in Schwangerschaft und Stillzeit ist erhöht. Aufgrund des sehr häufigen Mangels und der Wsserlöslichkeit kann die gesamte empfohlene Vitamin-B6-Menge von 1,9 mg pro Tag ergänzt werden.

Vitamin B12 (Cobalamin)
Wie Vitamin B6 ist Vitamin B12 ein wichtiges Coenzym im Homocysteinstoffwechsel. Ein Viertel aller Frauen im gebärfähigen Alter ist mit diesem Vitamin unterversorgt. Überversorgungen sind nicht bekannt. Aufgrund dessen sollte Vitamin B12 in der Schwangerschaft in einer Dosierung von 3,5 µg substituiert werden.

Vitamin C (Ascorbinsäure)
Aufgrund des erhöhten Vitaminbedarfs in der Schwangerschaft erscheint eine Substitution sinnvoll. Studien zeigen einen durch Vitamin C-Gaben milderen Verlauf von Erkältungen.

Vitamin E (Tocopherol)
Die Tocopherole gehören zu den Radikalfängern. Knapp die Hälfte aller Frauen sollen im Spiegel unter der empfohlenen Zufuhr liegen. Die komplette Substitution mit 13 mg Tocopherol pro Tag macht Sinn, da die verträgliche Obergrenze damit auch nicht erreicht werden kann, obwohl Vitamin E fettlöslich ist.

Vitamin H (Biotin)
Biotinmangelerscheinungen zeigen sich durch Hauterscheinungen, im weiteren Verlauf Müdigkeitssymptomen. Da es an verschiedenen Stoffwechselwegen beteiligt ist, die gerade in der Schwangerschaft von Bedeutung sind, ist eine erhöhte Zufuhr sinnvoll.

Vitamin K
Vitamin K hat eine wesentliche Bedeutung im Blutgerinnungssystem. Die Versorgung Erwachsener mit Vitamin K ist in Deutschland ausreichend. Eine Substitution ist bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft nicht indiziert.

Vitamin PP (Niacin)
Niacin ist eines der wenigen Vitamine, die der Organismus selbst herstellen kann. Eine Substitution ist bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft nicht indiziert.

Calcium
Die tägliche Calciumaufnahme sollte bei ca. 1.000 bis 1.200 mg liegen und kann in der Regel durch Milchprodukte oder andere calciumhaltige Lebensmittel (wie z. B. Grünkohl oder Brokkoli, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte) gedeckt werden. Es ist neben Vitamin D notwendig für den Aufbau des fetalen Knochens.

Magnesium
Der Bedarf an Magnesium liegt bei 310 mg pro Tag. Es ist für den Zellstoffwechsel und den Aufbau von Knochen und Zähnen wichtig. Magnesium findet sich in grünem Gemüse, Vollkornbrot, Beeren, Bananen, Orangen sowie Milch. Ein Mangel kann z. B. zu Wadenkrämpfen oder Parästhesien führen. Eine Parästhesie ist eine nicht-schmerzhafte Empfindung im Versorgungsgebiet eines Hautnervs ohne erkennbare adäquate physikalische Reize. Sie wird von den Betroffenen meist als Kribbeln, „Ameisenlaufen“, Pelzigkeit, Prickeln, Jucken, Schwellungsgefühl und Kälte- oder Wärmeempfindung beschrieben. Eine Substitution erfolgt dann mit 100-300 mg Magnesium täglich. Eine niedrige generelle Dosierung ist nicht empfehlenswert, zumal es die Resorption anderer Mikronährstoffe hemmen kann. Magnesium bindet bspw. wie Calcium an dieselben Kanäle, sodass die beiden Substanzen ständig in Konkurrenz um denselben Rezeptor stehen.

Zink
Generell wird ein leichter Mehrbedarf an Zink in der Schwangerschaft angenommen. Eine Unterversorgung kann sich in einer Dermatitis und Haarausfall äußern. Zink ist zudem an der Umwandlung der Schilddrüsenhormone beteiligt. Beim Feten ist Zink für das fetale Wachstum und auch noch die postnatale Entwicklung wichtig. Eine Substitution mit 5 mg Zink pro Tag ist in der Regel ausreichend. Der Einsatz von Supplementen mit 40-100 mg Eisen/Tag zur Therapie einer Eisenmangelanämie kann die Zinkabsorption vermindern. Schwangeren, die mehr als 60 mg elementares Eisen pro Tag zuführen, wird deshalb geraten, zusätzlich ein zinkhaltiges Multivitamin-/Mineralstoffpräparat zuzuführen.

Selen
Selen ist an der Umwandlung von Schilddrüsenhormonen beteiligt. Aufgrund der hohen Relevanz der Schilddrüsenhormone hinsichtlich der Entwicklung fetaler Hirnstrukturen und Nervenbahnen ist eine Substitution sinnvoll. Eine Ergänzung kann in Höhe der erforderlichen täglichen Dosis von ca. 50 µg pro Tag erfolgen, da damit auch gut versorgte Schwangere noch weit unter der empfohlenen Obergrenze liegen.

Probiotika
Schwangere, die mehr probiotische Milchprodukte verzehren, erleiden seltener Frühgeburten, da sie einer bakteriellen Vaginose entgegenwirken. Auch ein Schwangerschaftsdiabetes soll seltener auftreten. Desweiteren wird ein Schutz gegenüber allergischen Krankheitsbildern diskutiert. Exakte Empfehlungen zur Art des Probiotikums, der Dosierung und des Therapiebeginns können aber noch nicht gemacht werden.

„Genussmittel“ nein, Kaffee ja?
Der Verzicht auf einige Genuss- bzw. Lebensmittel hilft, eine mögliche Gefährdung des Kindes zu vermeiden. Dass Schwangere nicht rauchen und bestenfalls ganz auf Alkohol verzichten sollten, um Entwicklungsschäden vom Kind abzuhalten, steht außer Frage. Kaffee ist für viele aber fast schon eine „Notwendigkeit“, zumindest am Morgen. Im Durchschnitt trinken die Deutschen 160 Liter Kaffee pro Jahr, entsprechend etwa drei bis, vier Tassen pro Tag. Ob Kaffee der Schwangeren und dem Kind wirklich schaden, darüber sind sich Ernährungsforscher nicht einig. Schwangeren kann geraten werden, nicht mehr als drei Tassen Kaffee pro Tag zu trinken, da nach wie vor eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Aborten und eine Beeinträchtigung des fetalen Wachstums im Mutterleib im Zusammenhang mit verstärktem Kaffeekonsum diskutiert werden.

Bestimmte Lebensmittel vermeiden
Lebensmittelinfektionen können während der Schwangerschaft vor allem für das Kind problematisch werden, darunter fallen besonders solche mit Listerien oder Toxoplasma gondii.
Listerien finden sich häufig in Lebensmitteln, die roh verarbeitet und dabei nicht sachgemäß hergestellt oder gelagert wurden und dann vor dem Verzehr nicht mehr vollständig erhitzt werden, wie z. B. Rohwurst oder Nicht-pasteurisierte Milch und Rohmilchkäse. Aus Rohmilch werden beispielsweise folgende Käsesorten hergestellt: Emmentaler, Appenzeller, Roquefort und französischer Camembert. Eine Auflistung der Rohmilchkäsesorten finden Sie über den Link. Bei der Mutter meist nur wie ein grippaler Infekt verlaufend, können Listerien über den Mutterkuchen eine schwere fetale Infektion auslösen und/oder zur Fehlgeburt führen.
Toxoplasmen können auf Blattsalaten oder Obst und Beeren vorkommen oder über Grünfutter in Schlachttiere gelangen. Schwangere sollten daher Salate, Gemüse und Beeren gründlich waschen oder schälen und kein rohes oder nicht vollständig gegartes Fleisch oder Rohwurst, wie z. B. Tartar, Mettwurst oder Salami, essen. Auch bei Schwangeren verläuft eine Toxoplasmoseinfektion in über 90 Prozent der Fälle symptomlos oder blande, meist mit grippalen Symptomen. Infektionen in der frühen Schwangerschaft können beim Kind Schäden an fast allen Organen, vor allem im Zentralnervensystem, hervorrufen.
Rohe Eier sollten in der Schwangerschaft aufgrund der Salmonellengefahr nicht verzehrt werden. Dies gilt auch für weich gekochte oder nicht durchgebratene Eier.
In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sollte man auf Leber verzichten, da Leber Vitamin A enthält, das überdosiert gefährlich für das Ungeborene ist. In der Leber werden viele Substanzen angereichert, die aus dem Körper ausgeschieden werden sollen. Daher sollte auch später in der Schwangerschaft Leber nur selten gegessen werden.
Auf den Verzehr von lakritzhaltigen Nahrungs- und Genussmitteln sollte verzichtet werden, da Bestandteile aus der Süßholzwurzel sich negativ auf die Entwicklung des Ungeborenen auszuwirken scheinen.
Wenn Sie oder ihr Partner an einer Allergie leiden und das Ungeborene somit ein höheres Risiko hat, ebenfalls Allergien zu entwickeln, ist es sinnvoll, wenn in der Schwangerschaft auf den Genuss von Erdnüssen verzichtet wird.

Fisch als Nahrungsmittel in der Schwangerschaft
Für Schwangere gelten alle rohen Lebensmittel unter hygienischen Aspekten als kritische Lebensmittel, die mit besonderer Sorgfalt behandelt werden müssen. Hinsichtlich Fisch gilt zur Minimierung von gesundheitlichen Risiken in der Schwangerschaft die Empfehlung, auf rohen Fisch und Fischprodukte, Sushi, Sashimi und kaltgeräucherte Fischwaren zu verzichten, wenn nicht sicher von der Verwendung erstklassiger Ware und einwandfreien Hygieneverhältnissen ausgegangen werden kann.

Im Hinblick auf die mögliche Schadstoffbelastung sollten große Seefische wie Thunfisch, Rotbarsch, Steinbeißer, Bonito und Haifisch nur in geringen Mengen und nicht regelmäßig verzehrt werden. Bei Beachtung dieser Empfehlungen zum vorbeugenden Gesundheitsschutz gilt Fisch als wichtiges Lebensmittel auch für Schwangere. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren 1–2 Fischmahlzeiten pro Woche im Hinblick auf die Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren und als ergiebige Quelle für Jod und Selen (siehe oben). Als geeignet gelten durchgegarter Fisch - gebraten, gekocht oder frittiert – von ausgewählter Qualität sowie Fischkonserven oder pasteurisierte Fischprodukte.

Grundsätzlich gilt, dass frisches Muskelfleisch von fangfrischem Seefisch keimfrei ist. Die mikrobielle Besiedelung, speziell auch mit gesundheitsschädlichen Keimen wie Listerien und Toxoplasmen (siehe oben), ist Folge einer Sekundärkontamination. Möglichkeiten zur Kontamination sind u. a. während der Lagerung, bei der Verarbeitung und beim Verpacken gegeben. Eine häufig mangelhafte Kühlung der Rohware ebenso wie des fertig zubereiteten, rohen Produktes, lässt vor allem in der warmen Jahreszeit die Keimzahl rasch ansteigen.

Ein Befall mit Listerien ist prinzipiell auch bei anderen nicht völlig durchgegarten Fischprodukten wie marinierter Hering, Graved Lachs, in Salzlake eingelegten Produkten, bei Hering in verschiedenen Saucen und kalt geräuchertem Fisch (Forellenfilets, Räucherlachs) möglich. Speziell vakuumverpackte Produkte bieten den Listerien, auch bei Kühlung, gute Wachstumsbedingungen. Das reduzierte Sauerstoffangebot in der Verpackung hemmt das Wachstum konkurrierender Keime, so dass sich Listerien noch besser vermehren können.

Geeignet für Schwangere, die jegliches Risiko meiden wollen, sind deshalb ausreichend durcherhitzter Fisch und Fischprodukte. Hierzu zählen u. a. Fischdauerkonserven wie Hering in Tomatensauce oder Makrele in Öl. Auch pasteurisierte Fischerzeugnisse, die entsprechende Kennzeichnung muss vorliegen, wurden ausreichend erhitzt und sind somit geeignet.

Mögliche Gesundheitsrisiken gehen auch von einem etwaigen Parasitenbefall des Fisches mit Nematoden aus. Durch Rohverzehr sind diese Parasiten auf den Menschen übertragbar. Sie stellen keine unmittelbare Gefahr für das Kind dar, belasten aber die Gesundheit der Mutter. Nematodenlarven kommen natürlicherweise in den Verdauungsorganen von Seefischen vor, denn sie werden über die Nahrung aufgenommen. Durch sorgfältiges Ausnehmen der Fische und Entfernen kritischer Teilstücke lässt sich verhindern, dass Nematoden in die Filets gelangen. Für die Herstellung verschiedener Fischwaren wie Marinaden, Kochfischware, Dauerkonserven, Tiefkühlprodukte und Räucherware sind Verarbeitungsbedingungen gesetzlich vorgeschrieben, durch die eventuell noch vorhandene Nematodenlarven im Fischmuskelfleisch mit Sicherheit abgetötet werden. Haushaltsübliches Braten, Dämpfen und Kochen gilt ebenfalls als sicher.

Soll Fisch roh verzehrt werden, bedarf es besonders sorgfältig ausgewählter Ware. Für die Herstellung von Sushi und Sashimi gilt deshalb zusätzlich zu den generellen Vorschriften der hygienisch einwandfreien Behandlung von Lebensmitteln die Empfehlung, nur frisches Fischmuskelfleisch zu verwenden und dieses erst zu verarbeiten, wenn es über Nacht (mindestens 12 Stunden) bei mindestens –18 °C durchgefroren wurde. Bei der Herstellung von Sushi und Sashimi gilt auch für die Auswahl aller anderen eingesetzten Rohwaren besondere Sorgfalt.

Infolge der Verunreinigung der Binnengewässer und Meere ist Fisch auch mehr oder weniger mit Quecksilber belastet. Fisch und Fischprodukte unterliegen u. a. der Schadstoffhöchstmengen-Verordnung, bei deren Einhaltung nach derzeitiger Kenntnis für die Allgemeinbevölkerung keine gesundheitliche Gefährdung besteht. Allerdings weist das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) darauf hin, dass Schwangere bei regelmäßigem Verzehr größerer Mengen bestimmter Fische als besondere Risikogruppe betrachtet werden müssen. Ein Teil des Quecksilbers liegt in leicht plazentagängiger Form vor, d. h., es kann direkt in den Organismus des Kindes gelangen und eventuell Entwicklungsschäden auslösen. Um dieses potenzielle Gesundheitsrisiko für Schwangere auszuschließen, empfiehlt das BgVV Schwangeren und Stillenden, während dieser Zeit vorsorglich den Verzehr bestimmter Fischarten (siehe Liste) einzuschränken. Vorsicht ist auch bei allen selbst gefangenen Fischen aus Gewässern geboten, deren Verschmutzungsgrad unbekannt ist.

Fische mit einer Höchstmenge von >1,0 mg Quecksilber/kg, deren Verzehr während der Schwangerschaft und Stillzeit eingeschränkt werden sollte:
  • Aal (Anguilla spp.)
  • Blauleng (Molva dipterygia)
  • Bonito (Sarda spp.)
  • Einfarb-Pelamide (Orcynopsis unicolor)
  • Europäischer Wolfsbarsch (Dicentrarchus labrax)
  • Falscher Bonito (Euthynnus spp.)
  • Gemeiner Stör (Acipenser spp.)
  • Haarschwänze (Lepidopus caudatus, Aphanopus carbo)
  • Haifische (alle Arten)
  • Hecht (Esox lucius)
  • Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus)
  • Indopazifischer Fächerfisch (Istiophorus platypterus)
  • Langschwänziger Speerfisch (Makaira spp.)
  • Portugieserhai (Centroscymnes coelolepis)
  • Rochen (Raja spp.)
  • Rotbarsch (Sebastes marinus, S. mentella)
  • Schwertfisch (Xiphias gladius)
  • Seeteufel (Lophius spp.)
  • Steinbeißer (Anarhichas lupus)
  • Thunfisch (Thunnus spp.)
Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr bei Schwangeren (Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
DHA mg 200
Folat-Äquivalent µg 550
Vitamin B1 mg 1,2
Vitamin B2 mg 1,5
Vitamin B6 mg 1,9
Vitamin B12 µg 3,5
Vitamin D µg 20 (800 I.E.)
Vitamin E mg 13
Jod µg 230
Biotin µg 30-60
Niacin (B3) mg 15
Panthotensäure (B5) mg 6
Selen µg 30-70
Zink mg 10
Vitamin C mg 110
ß-Carotin µg 6600
Vitamin A µg 1100
Eisen mg 30
Magnesium mg 310
Calcium mg 1000
Vitamin K µg 60
Kupfer µg 1000-1500
Molybdän µg 50-100
Chrom µg 30-100
Mangan mg 2-5
Fluor µg 3100
Vergleichsliste einiger Nahrungsergänzungsmittel mit den Referenzwerten
  Velnatal plus Femibion 2 Orthomol Natal Elevit 2 Vitaverlan
DHA mg 200 200 300 200  
Lutein mg   9  
EPA mg     40 80  
Folsäure µg 400 400 500 400 400
Vitamin B1 mg 1,2 1,2 3 1,4 0,75
Vitamin B2 mg 1,5 1,6 3,5 1,4 0,9
Vitamin B6 mg 1,9 1,9 5 1,9 1,5
Vitamin B12 µg 3,5 3,5 9 2,6 1,75
Vitamin D µg 5 20 15 5 5
Vitamin D IE 200 800 600 200 200
Vitamin E mg 13 25 36 10 7
Jod µg 150 150 150 150 150
Biotin µg 60 60 150 30 75
Niacin mg 15 15 36 18 9
Pantothensäure mg 6 6 18 6 3
Selen µg 30   30 60  
Zink mg 2,25   5 10  
Vitamin C mg   110 110 85 50
ß-Carotin µg      2000    
Vitamin A µg       770  
Eisen mg     5 14  
Magnesium mg     180 57  
Calcium mg     400    
Vitamin K1 µg     60    
Kupfer µg     1000 1000  
Molybdän µg     80    
Chrom µg     60    
Milchsäurebakterien nein nein ja nein nein
Tagesportionen 120 120 30 60 100
UVP Euro 68,85 99,99 57,50 37,65 25,09
(Stand 04.2019)          
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