Teststreifen

Schwangerschaft - Harnwege - Teststreifen

Interpretation von Urinteststreifen:
  • Bilirubin: Dieser Gallenfarbstoff entsteht beim Abbau von Hämoglobin. Der Nachweis ist ein Hinweis auf Erkrankungen der Leber und Gallenwege wie Gelbsucht, Hepatitis, Leberzirrhose, Behinderungen des Gallenabflusses oder Störungen der Bilirubinexkretion. Erhöhte Urobilinogenkonzentrationen können die Empfindlichkeit des Bilirubin-Testfeldes verstärken.
  • Urobilinogen: Dieser Gallenfarbstoff ist ein Abbauprodukt von Bilirubin. Urobilinogen wird vermehrt im Urin ausgeschieden, wenn die Funktionskapazität der Leber überlastet, eingeschränkt oder die Leber umgangen wird. Der Nachweis dient zur Diagnose von Lebererkrankungen (Leberentzündung, Lebertumor, Stauungsleber bei Herzinsuffizienz) sowie Infektionen der Gallenwege und gelingt auch bei gesteigertem Hämoglobinabbau infolge von hämolytischen Erkrankungen, bei Verstopfung oder Darmentzündungen. Rote Beete und Pharmakametabolite können falsch positive Ergebnisse verursachen.
  • Keton: Ketonkörper weisen auf eine ketoazidotische Stoffwechselentgleisung bei Diabetes mellitus, Hungerzustände, Erbrechen, Fieberzustände oder starke körperliche Arbeit hin.
  • Ascorbinsäure (Vitamin C): Die Anwesenheit von Ascorbinsäure (Obst, Gemüse, Medikation) kann den Nachweis von Glukose, Nitrit und Bilirubin behindern.
  • Glukose: Der Glukosenachweis gelingt bei erhöhten Blutzuckerspiegeln (Diabetes/Gestationsdiabetes) oder auch bei sonst gesunden Frauen aufgrund einer schwangerschaftsbedingt erniedrigten "Nierenschwelle" (renale Glukosurie) oder nach kohlenhydratreicher Mahlzeit (alimentäre Glukosurie), selten bei deutlich reduzierter Nierenfunktion.
  • Protein: Der Nachweis dient zur Diagnose von Nierenerkrankungen oder auch der Präeklampsie. Der Test reagiert besonders empfindlich gegenüber Albumin. Falsch positive Befunde können z.B. bei stark alkalischem Harn oder hohem spezifischen Gewicht auftreten, aber auch nach körperlicher Anstrengung, großen Mahlzeiten und längerem Stehen (orthostatische Albuminurie).
  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen): Der Test reagiert spezifisch auf Hämoglobin (Eiweiß in den roten Blutkörperchen) und Myoglobin (Eiweiß in Muskelzellen). Blut im Harn (Hämaturie) weist auf Erkrankungen des Urogenitalbereichs und der Nieren hin. Bei einer Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen) ist eine Hämaturie als Leitsymptom anzusehen, häufig gemeinsam mit einer Proteinurie. Falsch positive Reaktionen können z.B. durch mikrobielle Oxidase-Aktivitäten bei Urogenitaltrakt-Infektionen hervorgerufen werden. Eine Myoglobinurie ist in der Regel auf eine Muskelverletzung oder Muskelnekrose zurückzuführen.
  • pH: Bei Gesunden liegt der pH-Wert des frischen Harns zwischen pH 5 und 6. Auffallend hohe pH-Werte über 7 deuten auf eine Infektion des Urogenitalbereichs (ureasespaltende Bakterien wie Proteus) oder eine vegetarische Kost hin. Die Wirkung des Antibiotikums Nitrofurantoin ist im alkalischen Bereich reduziert. Hohe pH-Werte können eine Auflösung von Erythrozyten und Leukozyten verursachen, hierdurch können positive Ergebnisse im Streifentest aber negative Ergebnisse in der Sedimentuntersuchung auftreten.
  • Nitrit: Nitrit gilt als fast sicherer Beweis für eine bakteriell verursachte Infektionen des Urogenitalbereichs durch gram-negative Bakterien, welche sogenannte Nitratreduktasen besitzen. Es gibt jedoch auch wichtige Erreger von Harnwegsinfekten, die keine oder kaum Nitratreduktase besitzen wie Pseudomonas, Staphylococcus albus und Enterokokken. Zudem kann der Test nur ansprechen, wenn eine ausreichende Menge an Nitraten mit der Nahrung aufgenommen wird (z.B. durch Gemüse) und der Urin ausreichend lange in der Harnblase verweilt. Falsch positive Resultate können z.B. bei Verzehr von Roter Beete auftreten. Antibiotika sind mindestens 3 Tage vorher abzusetzen.
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Sie deuten auf Entzündungen der ableitenden Harnwege und der Nieren hin. Falsch positive Resultate können durch Verunreinigungen mit Vaginalsekret, falsch negative Ergebnisse durch hohe Glukose- oder Eiweißkonzentrationen oder auch Medikamente (z.B. Tetracyclin, Cephalexin) entstehen. In alkalischem Urin oder Urin niedriger Dichte platzen Zellen besonders leicht, häufig ist daher der Teststreifen positiv, wogegen bei der mikroskopischen Harnuntersuchung keine Leukozyten nachgewiesen werden können. Im Gegensatz dazu vermindert eine hohe Dichte des Urins die Auflösung von Leukozyten und vermindert so die Sensitivität des Teststreifens.
  • Spezifisches Gewicht/Dichte: Dient zur Kontrolle der Nierenfunktion (z.B. reduziertes Konzentrationsvermögen als Folge von Diabetes mellitus) und zur allgemeinen Bewertung der Konzentration der Harnprobe. Je nach aufgenommener Flüssigkeitsmenge und äußeren Umständen kann die Dichte des Harn schwanken. Der Normalwert liegt etwa zwischen 1,015 und 1025. Zu beachten ist, dass sich in Urinen mit geringer Dichte (< 1,010) Erythrozyten und Leukozyten auflösen können, wodurch positive Ergebnisse im Streifentest aber negative Befunde im Sediment erzielt werden.
Share by: