Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
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Schwangerschaft & Wochenbett: Ratgeber & Tipps - Ernährung & Ergänzung

Nicht nur Medikamente, Drogen, Alkohol oder Nikotin können Kinder im Mutterleib schädigen. Auch Art und Qualität der Ernährung der Mutter können die Entwicklung des Kindes fördern oder gefährden. 

 

Für viele Frauen beginnt mit der „Planung“, meist aber spätestens bei der Feststellung einer Schwangerschaft, ein Umdenken, was ihren persönlichen Lebensstil und die Ernährung betrifft. Eine ausgewogene Ernährung kann in der Regel auch in der Schwangerschaft den Bedarf an Nährstoffen, Spurenelementen, Mineralien und Vitaminen decken. Zusätzlich kann in Form von Nahrungsergänzungsmitteln die Zufuhr von Folsäure, Jod und Vitamin D in Kombination mit der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA), empfohlen werden. Eine ergänzende Gabe kann auch bei Eisen notwendig werden. 

 

Essen und Trinken

Während der Schwangerschaft ist für die werdende Mutter und ihr Kind eine ausgewogene Ernährung mit dem richtigen Maß an Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen und viel Flüssigkeit wichtig. Die Flüssigkeitsmenge sollte bei 1,5 Liter pro Tag liegen, und der Flüssigkeitsbedarf sollte überwiegend durch ungesüßte, energiearme Getränke gedeckt werden. Bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels besteht meist kein erhöhter Energiebedarf. Erst ab dem vierten Monat brauchen Schwangere und Kind etwa 1.000 kJ (255 kcal) pro Tag mehr. Dabei ist vor allem die Nährstoffdichte, nicht die absolute Nahrungsmenge, entscheidend.

Der Kohlenhydratanteil der Nahrung sollte etwa 50 Prozent betragen. Ab dem vierten Schwangerschaftsmonat wird allgemein eine etwas erhöhte Gesamtproteinzufuhr empfohlen: Liegt die Empfehlung in Abhängigkeit vom Körpergewicht im Schnitt bei Nicht-Schwangeren zwischen 50 und 80 Gramm täglich, so kann die Proteinzufuhr in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf 80 bis 120 Gramm täglich angehoben werden.

 

Folsäure/Folat

Vitamin B12, B6 und B2 sind an der Verstoffwechselung von Folsäure und der Aminosäure Homocystein beteiligt. Niedrige Plasmaspiegel der Vitamine und des Folats können zu einem Anstieg des Homocysteinspiegels führen. Dies wirkt neurotoxisch und wird mit einer höheren Rate von Neuralrohrdefekten in Zusammenhang gebracht. Neuralrohrdefekte gehören mit einer Häufigkeit von 1:1.000 Neugeborenen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Bei etwa 50 Prozent der Kinder äussert sich die Fehlbildung als sogenannte Spina bifida, die Lähmungen, Miktions- und Verdauungssstörungen oder einen Wasserkopf zur Folge haben kann. Ein Enzym, das für den Abbau des Homocysteins verantwortlich ist, ist die sog. MTHFR (Methylentetrahydrofolatreduktase). Eine genetische Veränderung dieses Enzyms dürfte einen relativ häufigen Grund für einen Folatmangel bei gebärfähigen Frauen darstellen. Vor allem aber auch eine falsche und vitaminarme Ernährung, häufige Diäten, Nikotin- oder Alkoholkonsum können für einen Folatmangel ursächlich sein. Schätzungsweise nur etwa 20 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter weisen einen optimalen Folatspiegel auf.

Es ist wichtig, einen erniedrigten Folatspiegel nach Möglichkeit bereits 8-12 Wochen vor der Konzeption anzuheben. Schwangeren kann die zusätzliche Einnahme von 400 µg Folsäure täglich bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche, gegebenenfalls in Kombination mit Vitamin B12 bzw. als Multivitaminkombination zur Nahrungsergänzung empfohlen werden. Enthalten die Präparate 800 µg Folsäure, reicht ein Einnahmebeginn 4 Wochen vor der Empfängnis aus. Berücksichtigt man den erheblich erhöhten Folatbedarf in der Schwangerschaft insgesamt, so ist eine Folsäuresubstitution über die gesamte Schwangerschaft sinnvoll. Werdenden Müttern, die bereits ein Kind mit einer Spina bifida geboren haben, wird sogar die Einnahme von 5 mg Folsäure pro Tag in diesem Zeitraum empfohlen. 

 

Jod

Die langjährige Einnahme oraler Kontrazeptiva (Antibabypillen), Rauchen und überwiegend jodarme Kost können auch einen Jodmangel der Schwangeren zur Folge haben. Um einer Schilddrüsenunterfunktion der Mutter und des Kindes vorzubeugen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine tägliche Zufuhr von 230-260 µg Jod für Schwangere. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf der Seite Schilddrüse im Kapitel Schwangerschaft & Wochenbett.

 

Vitamin D

Ein Vitamin D-Mangel ist in den Industrieländern weit verbreitet. Vitamin D beeinflusst kritische Prozesse für die Implantation des Mutterkuchens, ist wichtig für die Entwicklung des fetalen Skeletts sowie die Reifung des Immunsystems. In der Schwangerschaft wird ein Mangel mit einem gehäuften Auftreten an Präeklampsien, Schwangerschaftszucker, Frühgeburten und SGA-Feten in Verbindung gebracht. Die Kinder sollen mehr zu Bronchialerkrankungen neigen, eine verzögerte Sprachentwicklung und ein erhöhtes Diabetes-Risiko aufweisen. Eine Vitamin D-Zufuhr von 10-20 µg (400-800 I.E.) pro Tag für Schwangere und Stillende scheint angemessen zu sein. Weitere Informationen zu Vitamin D finden sich auf der Seite Onkologie / Krebs  Komplementäre Medizin.

 

Omega-3-Fettsäuren

Der Fettgehalt sollte nicht mehr als 30 Prozent der gesamten Energiezufuhr ausmachen. Vor allem ungesättigte Fettsäuren sind empfehlenswert. Besonders wertvoll sind langkettige Omega-3-Fettsäuren. Dazu gehören Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA). DHA wird unter anderem aus EPA gebildet und stellt somit das Endprodukt einer Stoffwechselkette dar. Omega-3-Fettsäuren finden sich in fetten Fischsorten wie etwa Lachs, Hering, Makrele oder Sardine, werden jedoch hierzulande meist nicht ausreichend mit der Nahrung aufgenommen. Dazu sind ein bis zwei Portionen fettreicher Seefisch pro Woche erforderlich. Wird kein oder nur wenig Seefisch verzehrt, ist ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel eine Nahrungsergänzung mit 200 mg Docosahexaensäure pro Tag sinnvoll. Dies ist besonders vegetarisch oder vegan lebenden Schwangeren zu empfehlen. DHA gibt es in Form von Kapseln, auch in Kombination mit Folsäure, oder in Form von angereicherten Lebensmitteln. Feten brauchen Omega-3-Fettsäuren für die Hirn- und motorische Entwicklung. Die Schwangerschaftsdauer soll bei Substitution verlängert, das Allergierisiko der Kinder gesenkt sein. Weiterhin wirken sie anti-arrhythmisch, schützen vor Herzinfarkt, senken die Blutfette und haben zahlreiche weitere positive Wirkungen im Körper.

 

Eisen

Der tägliche Eisenbedarf ist in der Schwangerschaft erhöht. Er liegt vor allem im letzten Drittel bei 30 mg pro Tag. Dies ist zum einen dem erhöhten Blutvolumen der Schwangeren geschuldet, zum anderen bildet auch der Fetus in der zweiten Schwangerschaftshälfte zunehmend Hämoglobin. Das meiste Eisen enthält rotes Fleisch. Während der Schwangerschaft wird regelmäßig der Hämoglobinwert kontrolliert, um eine Blutarmut nicht zu übersehen. Weitere Informationen finden sich auf der Seite Eisenmangelanämie im Kapitel Schwangerschaft & Wochenbett.

 

Vitamin C und E

Aufgrund des erhöhten Vitaminbedarfs in der Schwangerschaft erscheint eine Substitution sinnvoll. Studien zeigen einen durch Vitamin C-Gaben milderen Verlauf von Erkältungen.

 

Calcium

Die tägliche Calciumaufnahme sollte bei ca. 1.000 bis 1.200 mg liegen und kann in der Regel durch Milchprodukte oder andere calciumhaltige Lebensmittel (wie z. B. Grünkohl oder Brokkoli, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte) gedeckt werden. Es ist neben Vitamin D notwendig für den Aufbau des fetalen Knochens.

 

Magnesium

Der Bedarf an Magnesium liegt bei 310 mg pro Tag. Es ist für den Zellstoffwechsel und den Aufbau von Knochen und Zähnen wichtig. Magnesium findet sich in grünem Gemüse, Vollkornbrot, Beeren, Bananen, Orangen sowie Milch. Ein Mangel kann z. B. zu Wadenkrämpfen oder Parästhesien führen. Eine Parästhesie ist eine nicht-schmerzhafte Empfindung im Versorgungsgebiet eines Hautnervs ohne erkennbare adäquate physikalische Reize. Sie wird von den Betroffenen meist als Kribbeln, „Ameisenlaufen“, Pelzigkeit, Prickeln, Jucken, Schwellungsgefühl und Kälte- oder Wärmeempfindung beschrieben. Eine Substitution erfolgt dann mit 100-200 mg Magnesium täglich. Magnesium bindet wie Calcium an dieselben Kanäle, sodass die beiden Substanzen ständig in Konkurrenz um denselben Rezeptor stehen.

 

Zink

Generell wird ein leichter Mehrbedarf an Zink in der Schwangerschaft angenommen. Eine Unterversorgung kann sich in einer Dermatitis und Haarausfall äußern. Zink ist zudem an der Umwandlung der Schilddrüsenhormone beteiligt. Beim Feten ist Zink für das fetale Wachstum und auch noch die postnatale Entwicklung wichtig. Eine Substitution mit 5 mg Zink pro Tag ist in der Regel ausreichend. Der Einsatz von Supplementen mit 40-100 mg Eisen/Tag zur Therapie einer Eisenmangelanämie kann die Zinkabsorption vermindern. Schwangeren, die mehr als 60 mg elementares Eisen pro Tag zuführen, wird deshalb geraten, zusätzlich ein zinkhaltiges Multivitamin-/Mineralstoffpräparat zuzuführen.

 

Selen

Selen ist an der Umwandlung von Schilddrüsenhormonen beteiligt. Daher ist auch hier eine Substitution sinnvoll.

 

Probiotika

Schwangere, die mehr probiotische Milchprodukte verzehren, erleiden seltener Frühgeburten, da sie einer bakteriellen Vaginose entgegenwirken. Auch ein Schwangerschaftsdiabetes soll seltener auftreten. Desweiteren wird ein Schutz gegenüber allergischen Krankheitsbildern diskutiert. Exakte Empfehlungen zur Art des Probiotikums, der Dosierung und des Therapiebeginns können aber noch nicht gemacht werden.

 

„Genussmittel“ nein, Kaffee ja?

Der Verzicht auf einige Genuss- bzw. Lebensmittel hilft, eine mögliche Gefährdung des Kindes zu vermeiden. Dass Schwangere nicht rauchen und bestenfalls ganz auf Alkohol verzichten sollten, um Entwicklungsschäden vom Kind abzuhalten, steht außer Frage. Kaffee ist für viele aber fast schon eine „Notwendigkeit“, zumindest am Morgen. Im Durchschnitt trinken die Deutschen 160 Liter Kaffee pro Jahr, entsprechend etwa drei bis, vier Tassen pro Tag. Ob Kaffee der Schwangeren und dem Kind wirklich schaden, darüber sind sich Ernährungsforscher nicht einig. Schwangeren kann geraten werden, nicht mehr als drei Tassen Kaffee pro Tag zu trinken, da nach wie vor eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Aborten und eine Beeinträchtigung des fetalen Wachstums im Mutterleib im Zusammenhang mit verstärktem Kaffeekonsum diskutiert werden. 

 

Bestimmte Lebensmittel vermeiden

Lebensmittelinfektionen können während der Schwangerschaft vor allem für das Kind problematisch werden, darunter fallen besonders solche mit Listerien oder Toxoplasma gondii.

Listerien finden sich häufig in Lebensmitteln, die roh verarbeitet und dabei nicht sachgemäß hergestellt oder gelagert wurden und dann vor dem Verzehr nicht mehr vollständig erhitzt werden, wie z. B. Rohwurst oder Nicht-pasteurisierte Milch und Rohmilchkäse. Aus Rohmilch werden beispielsweise folgende Käsesorten hergestellt: Emmentaler, Appenzeller, Roquefort und französischer Camembert. Eine Auflistung der Rohmilchkäsesorten finden Sie über den Link. Bei der Mutter meist nur wie ein grippaler Infekt verlaufend, können Listerien über den Mutterkuchen eine schwere fetale Infektion auslösen und/oder zur Fehlgeburt führen.

Toxoplasmen können auf Blattsalaten oder Obst und Beeren vorkommen oder über Grünfutter in Schlachttiere gelangen. Schwangere sollten daher Salate, Gemüse und Beeren gründlich waschen oder schälen und kein rohes oder nicht vollständig gegartes Fleisch oder Rohwurst, wie z. B. Tartar, Mettwurst oder Salami, essen. Auch bei Schwangeren verläuft eine Toxoplasmoseinfektion in über 90 Prozent der Fälle symptomlos oder blande, meist mit grippalen Symptomen. Infektionen in der frühen Schwangerschaft können beim Kind Schäden an fast allen Organen, vor allem im Zentralnervensystem, hervorrufen.

Rohe Eier sollten in der Schwangerschaft aufgrund der Salmonellengefahr nicht verzehrt werden. Dies gilt auch für weich gekochte oder nicht durchgebratene Eier.

In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sollte man auf Leber verzichten, da Leber Vitamin A enthält, das überdosiert gefährlich für das Ungeborene ist. In der Leber werden viele Substanzen angereichert, die aus dem Körper ausgeschieden werden sollen. Daher sollte auch später in der Schwangerschaft Leber nur selten gegessen werden.

Auf den Verzehr von lakritzhaltigen Nahrungs- und Genussmitteln sollte verzichtet werden, da Bestandteile aus der Süßholzwurzel sich negativ auf die Entwicklung des Ungeborenen auszuwirken scheinen.

Wenn Sie oder ihr Partner an einer Allergie leiden und das Ungeborene somit ein höheres Risiko hat, ebenfalls Allergien zu entwickeln, ist es sinnvoll, wenn in der Schwangerschaft auf den Genuss von Erdnüssen verzichtet wird. 

 

Fisch als Nahrungsmittel in der Schwangerschaft: 

Für Schwangere gelten alle rohen Lebensmittel unter hygienischen Aspekten als kritische Lebensmittel, die mit besonderer Sorgfalt behandelt werden müssen. Hinsichtlich Fisch gilt zur Minimierung von gesundheitlichen Risiken in der Schwangerschaft die Empfehlung, auf rohen Fisch und Fischprodukte, Sushi, Sashimi und kaltgeräucherte Fischwaren zu verzichten, wenn nicht sicher von der Verwendung erstklassiger Ware und einwandfreien Hygieneverhältnissen ausgegangen werden kann. 

 

Im Hinblick auf die mögliche Schadstoffbelastung sollten große Seefische wie Thunfisch, Rotbarsch, Steinbeißer, Bonito und Haifisch nur in geringen Mengen und nicht regelmäßig verzehrt werden. Bei Beachtung dieser Empfehlungen zum vorbeugenden Gesundheitsschutz gilt Fisch als wichtiges Lebensmittel auch für Schwangere. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren 1–2 Fischmahlzeiten pro Woche im Hinblick auf die Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren und als ergiebige Quelle für Jod und Selen (siehe oben). Als geeignet gelten durchgegarter Fisch - gebraten, gekocht oder frittiert – von ausgewählter Qualität sowie Fischkonserven oder pasteurisierte Fischprodukte. 

 

Grundsätzlich gilt, dass frisches Muskelfleisch von fangfrischem Seefisch keimfrei ist. Die mikrobielle Besiedelung, speziell auch mit gesundheitsschädlichen Keimen wie Listerien und Toxoplasmen (siehe oben), ist Folge einer Sekundärkontamination. Möglichkeiten zur Kontamination sind u. a. während der Lagerung, bei der Verarbeitung und beim Verpacken gegeben. Eine häufig mangelhafte Kühlung der Rohware ebenso wie des fertig zubereiteten, rohen Produktes, lässt vor allem in der warmen Jahreszeit die Keimzahl rasch ansteigen. 

 

Ein Befall mit Listerien ist prinzipiell auch bei anderen nicht völlig durchgegarten Fischprodukten wie marinierter Hering, Graved Lachs, in Salzlake eingelegten Produkten, bei Hering in verschiedenen Saucen und kalt geräuchertem Fisch (Forellenfilets, Räucherlachs) möglich. Speziell vakuumverpackte Produkte bieten den Listerien, auch bei Kühlung, gute Wachstumsbedingungen. Das reduzierte Sauerstoffangebot in der Verpackung hemmt das Wachstum konkurrierender Keime, so dass sich Listerien noch besser vermehren können. 

 

Geeignet für Schwangere, die jegliches Risiko meiden wollen, sind deshalb ausreichend durcherhitzter Fisch und Fischprodukte. Hierzu zählen u. a. Fischdauerkonserven wie Hering in Tomatensauce oder Makrele in Öl. Auch pasteurisierte Fischerzeugnisse, die entsprechende Kennzeichnung muss vorliegen, wurden ausreichend erhitzt und sind somit geeignet. 

 

Mögliche Gesundheitsrisiken gehen auch von einem etwaigen Parasitenbefall des Fisches mit Nematoden aus. Durch Rohverzehr sind diese Parasiten auf den Menschen übertragbar. Sie stellen keine unmittelbare Gefahr für das Kind dar, belasten aber die Gesundheit der Mutter. Nematodenlarven kommen natürlicherweise in den Verdauungsorganen von Seefischen vor, denn sie werden über die Nahrung aufgenommen. Durch sorgfältiges Ausnehmen der Fische und Entfernen kritischer Teilstücke lässt sich verhindern, dass Nematoden in die Filets gelangen. Für die Herstellung verschiedener Fischwaren wie Marinaden, Kochfischware, Dauerkonserven, Tiefkühlprodukte und Räucherware sind Verarbeitungsbedingungen gesetzlich vorgeschrieben, durch die eventuell noch vorhandene Nematodenlarven im Fischmuskelfleisch mit Sicherheit abgetötet werden. Haushaltsübliches Braten, Dämpfen und Kochen gilt ebenfalls als sicher. 

 

Soll Fisch roh verzehrt werden, bedarf es besonders sorgfältig ausgewählter Ware. Für die Herstellung von Sushi und Sashimi gilt deshalb zusätzlich zu den generellen Vorschriften der hygienisch einwandfreien Behandlung von Lebensmitteln die Empfehlung, nur frisches Fischmuskelfleisch zu verwenden und dieses erst zu verarbeiten, wenn es über Nacht (mindestens 12 Stunden) bei mindestens –18 °C durchgefroren wurde. Bei der Herstellung von Sushi und Sashimi gilt auch für die Auswahl aller anderen eingesetzten Rohwaren besondere Sorgfalt. 

 

Infolge der Verunreinigung der Binnengewässer und Meere ist Fisch auch mehr oder weniger mit Quecksilber belastet. Fisch und Fischprodukte unterliegen u. a. der Schadstoffhöchstmengen-Verordnung, bei deren Einhaltung nach derzeitiger Kenntnis für die Allgemeinbevölkerung keine gesundheitliche Gefährdung besteht. Allerdings weist das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) darauf hin, dass Schwangere bei regelmäßigem Verzehr größerer Mengen bestimmter Fische als besondere Risikogruppe betrachtet werden müssen. Ein Teil des Quecksilbers liegt in leicht plazentagängiger Form vor, d. h., es kann direkt in den Organismus des Kindes gelangen und eventuell Entwicklungsschäden auslösen. Um dieses potenzielle Gesundheitsrisiko für Schwangere auszuschließen, empfiehlt das BgVV Schwangeren und Stillenden, während dieser Zeit vorsorglich den Verzehr bestimmter Fischarten (siehe Liste) einzuschränken. Vorsicht ist auch bei allen selbst gefangenen Fischen aus Gewässern geboten, deren Verschmutzungsgrad unbekannt ist. 

 

Fische mit einer Höchstmenge von >1,0 mg Quecksilber/kg, deren Verzehr während der Schwangerschaft und Stillzeit eingeschränkt werden sollte:

  • Aal (Anguilla spp.)
  • Blauleng (Molva dipterygia)
  • Bonito (Sarda spp.)
  • Einfarb-Pelamide (Orcynopsis unicolor)
  • Europäischer Wolfsbarsch (Dicentrarchus labrax)
  • Falscher Bonito (Euthynnus spp.)
  • Gemeiner Stör (Acipenser spp.)
  • Haarschwänze (Lepidopus caudatus, Aphanopus carbo)
  • Haifische (alle Arten)
  • Hecht (Esox lucius)
  • Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus)
  • Indopazifischer Fächerfisch (Istiophorus platypterus)
  • Langschwänziger Speerfisch (Makaira spp.)
  • Portugieserhai (Centroscymnes coelolepis)
  • Rochen (Raja spp.)
  • Rotbarsch (Sebastes marinus, S. mentella)
  • Schwertfisch (Xiphias gladius)
  • Seeteufel (Lophius spp.)
  • Steinbeißer (Anarhichas lupus)
  • Thunfisch (Thunnus spp.)

Vergleichsliste verschiedener Nahrungsergänzungsmittel mit den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr bei Schwangeren:


Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr bei Schwangeren
DHA mg 200
Nahrungsfolat-Äquivalent µg 550
Vitamin B1 mg 1,2
Vitamin B2 mg 1,5
Vitamin B6 mg 1,9
Vitamin B12 µg 3,5
Vitamin D µg
20 (800 I.E.)
Vitamin E mg 13
Jod µg 230
Biotin µg 30-60
Niacin (B3) mg 15
Panthotensäure (B5) mg 6
Selen µg 30-70
Zink mg 10
Vitamin C mg 110
ß-Carotin µg 6600
Vitamin A µg 1100
Eisen mg 30
Magnesium mg 310
Calcium mg 1000
Vitamin K µg 60
Kupfer µg 1000-1500
Molybdän µg 50-100
Chrom µg 30-100
Mangan mg 2-5
Fluor µg 3100
  Velnatal plus

Femibion 2

(mit Jod)

Elevit 1

Elevit 2 Vitaverlan
Omega-3 Fettsäuren mg          
DHA mg 200 200   200  
EPA mg       80  
Folsäure µg 400 400 800 400 400
Folat µg   200 400 200  
L-Methylfolat µg   200 451 225  
Vitamin B1 mg 1,2 1,2 1,4 1,4 0,75
Vitamin B2 mg 1,5 1,6 1,4 1,4 0,9
Vitamin B6 mg 1,9 1,9 1,9 1,9 1,5
Vitamin B12 µg 3,5 3,5 2,6 2,6 1,75
Vitamin D µg 5 (200 IE) 20 (800 IE) 5 (200 IE) 5 (200 IE) 5 (200 IE)
Vitamin E mg 13 25 10 10 7
Jod µg 150 150 150 150 150
Biotin µg 60 60 30 30 75
Niacin (B3) mg 15 15 18 18 9
Panthotensäure (B5) mg 6 6 6 6 3
Selen µg 30   60 60  
Zink mg 2,25   11 10  
Vitamin C mg   110 85 85 50
ß-Carotin µg          
Vitamin A µg      770  770  
Eisen mg      14 14  
Magnesium mg     100 57  
Calcium mg          
Vitamin K1 µg          
Kupfer µg     1000 1000  
Molybdän µg          
Chrom µg          
Mangan mg          
Fluor µg          
Milchsäurebakterien nein nein nein nein nein
Tagesportionen 120 96 90 60 100
UVP (Stand 05.2014) 58,50 Euro 74,99 Euro 42,69 Euro 44,79 Euro 22,60 Euro
  Beba Mama Ferlidona Folsäure + Vitamine proSan natal

my Bellence Schwanger.

& Stillzeit

Nestle Materna DHA
Omega-3 Fetts. mg     261    
DHA mg 200   200 200  200
EPA mg     51    
Folsäure µg 400 400 400 400 400
Folat µg          
L-Methylfolat µg          
Vitamin B1 mg 1,2 1,4 1,1 1,2 1,2
Vitamin B2 mg 1,5 1,8 1,4 1,6 1,4
Vitamin B6 mg 1,9 1,8 1,4 1,9 1,6
Vitamin B12 µg 3,5 3,5 2,5 3,5 3
Vitamin D µg 10 (400 IE)   5 (200 IE) 10 (400 IE) 5 (200 IE)
Vitamin E mg 5 12 24 13 12
Jod µg 150 150 150   200
Biotin µg 60 65   60 100
Niacin (B3) mg 15 16 16 15 14
Panthotensäure (B5) mg 6 6     6
Selen µg     25   25
Zink mg 5   10   7
Vitamin C mg 110 100 110 110 110
ß-Carotin µg   1000 2000   2000
Vitamin A µg 300   750   333
Eisen mg 15   14    15
Magnesium mg     100 250 100
Calcium mg     200   131
Vitamin K µg          
Kupfer µg         1000
Molybdän µg          
Chrom µg          
Mangan mg         1
Fluor µg          
Milchsäurebakterien ja nein nein nein nein
Tagesportionen 30 60 30 60 90
UVP (Stand 05.2014) 16,99 Euro 19,90 Euro 29,95 Euro 32,95 Euro 69,99 Euro
  Doppelherz Schwangere+Mütter Gravida Orthomol Natal    
Omega-3 Fetts. mg 300    360    
DHA mg 225 167  300    
EPA mg 45 83  40    
Folsäure µg 400 800  500    
Folat µg          
L-Methylfolat µg          
Vitamin B1 mg 1,2 1,2  3    
Vitamin B2 mg 1,6 1,5  3,5    
Vitamin B6 mg 1,9 1,9  5    
Vitamin B12 µg 3,5 3,5  9    
Vitamin D µg 5 (200 IE) 20 (800 IE)  15 (600 IE)    
Vitamin E mg 13 13  36    
Jod µg 150 150  150    
Biotin µg 60    150    
Niacin (B3) mg 15 15  36    
Panthotensäure (B5) mg 6 6  18    
Selen µg   50  30    
Zink mg 5 7  5    
Vitamin C mg 110 110  110    
ß-Carotin µg 2000    2000    
Vitamin A µg          
Eisen mg 10 20  5    
Magnesium mg 100 150  180    
Calcium mg 131    400    
Vitamin K µg      60    
Kupfer µg      1000    
Molybdän µg      80    
Chrom µg      60    
Mangan mg          
Fluor µg          
Milchsäurebakterien nein nein  ja    
Tagesportionen 30 60 30    
UVP (Stand 05.2014) 19,95 Euro 39,40 Euro 55,45 Euro    

Link:

Handlungsempfehlungen für Schwangere - Nationale Handlungsempfehlungen für Schwangere zur Ernährung in der Schwangerschaft


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