Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
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Schwangerschaft & Wochenbett: Erkrankungen - Thrombozytopenie

Die Thrombozytopenie ist mit ca. 9% Betroffenen nach der Anämie (ca. 19%) die zweithäufigste pathologische Blutbildveränderung in der Schwangerschaft. Zu unterscheiden sind schwangerschaftsspezifische (zum Beispiel Gestationsthrombozyto-penie), schwangerschaftsassoziierte, aber nichtspezifische (zum Beispiel thrombotisch-thrombozytopenische Purpura) und von der Schwangerschaft unabhängige (zum Beispiel Autoimmunthrombozytopenie) Ursachen.

 

Diagnostischer Algorithmus: Wegweisend sind Familien-, Eigen- und Medikamenten-anamnese sowie Ernährungsgewohnheiten, die klinische Untersuchung (zum Beispiel Hämatome, Petechien), laborchemische Basisuntersuchungen sowie eine rationale Stufen-diagnostik, die sich nach der relativen Inzidenz der Ursachen der Thrombozytopenie in der Schwangerschaft und der vorliegenden Schwangerschafts-pathologie zu richten hat.

 

Laborchemische Diagnostik: Da die maschinelle Thrombozytenzählung falschniedrige Ergebnisse zeigen kann, sollte zunächst eine Pseudothrombozytopenie (< 1% der EDTA-Blutbildanalysen) durch eine parallele Thrombozytenzählung im EDTA- und Citrat-antikoaguliertem Blut ausgeschlossen werden.

 

Gestationsthrombozytopenie: Die Gestationsthrombozytopenie betrifft 5-8% aller Schwangeren und ist mit einem Anteil von 75% die häufigste Ursache der Thrombozytopenie in der Schwangerschaft. Sie wird verursacht durch schwangerschaftsinduzierte Hämodilution und einen erhöhten Thrombozytenumsatz. Bei 75% der Schwangeren liegt die Thrombozytenzahl über 130.000-150.000/µl, nur in 10% der Fälle liegt sie unter 100.000/µl. Die Gestationsthrombozytopenie verläuft asymptomatisch, ohne erhöhtes Blutungsrisiko für Mutter und Kind. Im Gegensatz zur Autoimmunthrombozytopenie ist die Thrombozytenzahl beim Neugeborenen normal. Die Gestationsthrombozytopenie beeinflusst den Entbindungsmodus nicht. Die Thrombozytenzahl normalisiert sich meist innerhalb von zwei Wochen post partum. Eine Therapie ist nicht erforderlich, ausreichend sind Kontrollen der Thrombozytenzahl im Rahmen der routinemäßigen Schwangerenvorsorge.

 

Autoimmunthrombozytopenie: Die wichtigste Differenzialdiagnose der Gestations-thrombozytopenie ist die Autoimmunthrombozytopenie (Prävalenz 1:1.000-10.000 Schwangerschaften), die 1-4% der Thrombozytopenien in der Schwangerschaft ausmacht. Die primäre Autoimmunthrombozytopenie ist definiert als isolierte Thrombozytopenie <100.000/µl ohne klinisch apparente Begleiterkrankungen oder Ursachen, bedingt durch die Bildung spezifischer Antikörper der IgG-Klasse gegen Glykoproteinkomplexe der Thrombozytenmembran mit konsekutiver Sequestrierung zirkulierender Thrombozyten in der Milz. Eine Thrombozytenzahl <100.000/µl im 1. Schwangerschaftsdrittel mit progredienter Thrombozytenverminderung im Schwangerschaftsverlauf gilt als Hinweis auf eine Autoimmunthrombozytopenie. In zwei Drittel der Fälle ist die Diagnose aufgrund der typischen Blutungsanamnese vor der Schwangerschaft bekannt, in einem Drittel wird sie aber erst in der Schwangerschaft oder vor der Geburt gestellt. Diese Schwangeren sind meist asymptomatisch, bedürfen keiner Therapie und weisen einen unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf auf. Deshalb kann die Abgrenzung zur Gestationsthrombozytopenie schwierig sein und die Diagnose dann erst retrospektiv aus dem Thrombozytenverlauf post partum gestellt werden Bei der Autoimmunthrombozytopenie kommt es infolge diaplazentaren Übertritts von Thrombozyten-Antikörpern bei 15–50% der Neugeborenen zu einer Thrombozytopenie < 100.000/µl, bei 8-30% <50.000/µl und bei 1-9% <20.000/µl. Es besteht die Gefahr schwererer intrakranieller Blutungen.

 

Präeklampsie/ HELLP-Syndrom: Präeklampsie (2-3% aller Schwangerschaften) und HELLP-Syndrom (0,5-0,9% aller Schwangerschaften) machen 15-22% der Thrombozytopenien in der Schwangerschaft aus. In Abhängigkeit vom Schweregrad weisen 15-50% der Schwangeren mit Präeklampsie eine Thrombozytopenie auf.

 

Weitere seltene Differentialdiagnosen sind die mikroangiopathisch-hämolytischen Anämien wie thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura und das hämolytisch-urämischem Syndrom (1:25.000 bis 1:100.000 Schwangerschaften).


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