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Schwangerschaft & Wochenbett: Erkrankungen - Habituelle Fehlgeburten

Häufigkeit:

Fehlgeburten (Aborte) sind nicht selten, etwa 15 % aller klinisch nachweisbaren Schwangerschaften enden so. Die tatsächliche Abortrate liegt jedoch wegen der überwiegend unerkannten Frühaborte wahrscheinlich über 50 %. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einem deutlichen Anstieg der klinisch nachweisbaren Fehlgeburten. So beträgt die Abortrate bei 40-jährigen Frauen um 40 %. Jenseits des 44. Lebensjahrs steigt sie auf über 70 %.

Nach 2 Aborten kommt es noch in mehr als 80 % der Fälle auch ohne Therapie zum erfolgreichen Verlauf der nächsten Schwangerschaft. Während aber 1 oder 2 voraus-gegangene Aborte das Risiko nur unwesentlich beeinflussen, kommt es nach 3 oder mehr vorausgegangenen Aborten zu einem deutlichen Anstieg der Abortwahrscheinlichkeit. Dies gilt insbesondere für Frauen, die noch kein Kind ausgetragen haben. Habituelle Aborte sind als drei oder mehr aufeinander folgende Schwangerschaftsverluste definiert. Sie sind ein eigenständiges Krankheitsbild und keine zufällige Aborthäufung.

 

Ursachen habitueller Aborte:

Chromosomenanomalien:

Etwa die Hälfte aller Spontanaborte ist auf chromosomale Ursachen zurückzuführen. Mit zunehmender Aborthäufigkeit verringert sich allerdings die Wahrscheinlichkeit für chromosomale Ursachen. Bei etwa 4-5 % der Paare mit habituellen Aborten lässt sich bei einem Elternteil eine Chromosomenanomalie, meist eine balancierte Translokation, nachweisen. Umgekehrt werden etwa 70 % der Schwangerschaften trotz nachgewiesener elterlicher Translokation ohne weitere Maßnahmen ausgetragen. Leider ergibt sich statistisch keine Erhöhung der Lebendgeburtenrate durch künstliche Befruchtung (IVF) mit Präimplantationsdiagnostik (PID).

Angeborene Anomalien der Gebärmutter: Eine Gebärmutter mit Scheidenwand (Uterus septus) ist eine der wichtigsten angeborenen Abortursachen der Gebärmutter. Durch eine Septumresektion wird die Abortrate normalisiert.

Erworbene Anomalien der Gebärmutter: Zu den wichtigsten erworbenen Ursachen gehören Myome, Polypen, Verklebungen (Synechien) und die Zervixinsuffizienz.

Störungen der Lutealfunktion: Bei der Bewertung erniedrigter Progesteronwerte in der Frühschwangerschaft ist unklar, ob der Mangel Ursache oder Folge der Störung ist. Der Beweis für den Nutzen einer Progesteronsubstitution nach habituellen Aborten konnte bisher nicht sicher erbracht werden.

Schilddrüsenfunktionsstörungen: Bei Frauen mit habituellen Aborten sollte der TSH-Wert unter 2,5 mE/l liegen.

Diabetes mellitus: Bei schwangeren Diabetikerinnen ist ein HbA1c-Wert unter 7,5 % anzustreben.

Infektionen: Zur Diagnostik wird die regelmäßige Kontrolle des pH-Werts empfohlen. Die antibiotische Behandlung bakterieller Infektionen der Scheide senkt das Risiko von Spätaborten und Frühgeburten.

Umwelteinflüsse: Eine Vielzahl von Umweltfaktoren kann für das Auftreten von Aborten verantwortlich gemacht werden. Beispielsweise Alkohol- und Nikotinkonsum, Unter- und Übergewicht erhöhen das Abortrisiko.

Angeborene Thrombophilie: Ein Zusammenhang zwischen habituellen Aborten und angeborenen Thrombophilien wird in neuerer Zeit bezweifelt. Ohne eindeutigen Zusammenhang zwischen habituellen Aborten und Thrombophilie kann keine generelle Empfehlung für eine Heparintherapie ausgesprochen werden.

Hyperhomocysteinämie: Sie gilt als Risikofaktor für venöse und arterielle Thrombosen, zusätzlich gibt es eine signifikante Assoziation zwischen erhöhtem Homocysteinspiegel und Frühaborten. Hyperhomocysteinämie wird unter anderem auf Mutationen im MTHFR-Gen zurückgeführt. MTHFR-Mutationen ohne Hyperhomocysteinämie haben jedoch keinen Einfluss auf die Abortrate. Zur Therapie werden Folsäure und die Vitamine B6 und B12 empfohlen.

Antiphospholipid-Syndrom (APS): Beim APS handelt es sich um eine erworbene Thrombophilie. Heute werden zur Diagnostik in erster Linie die Anti-Cardiolipin-Antikörper bestimmt, daneben kann auch ein Lupus-Antikoagulans untersucht werden. Zur Therapie des APS hat sich die frühe Gabe von ASS 100 und niedermolekularem Heparin durchgesetzt. ASS wird bis zur 35. Schwangerschaftswoche eingesetzt, die Heparingabe erfolgt bis mindestens 6 Wochen nach der Geburt.

Immunologische Aspekte: Die Schwangerschaft wird durch zahlreiche immunologische Mechanismen geschützt. In Bezug auf immunologische Störungen kann derzeit keine Routinediagnostik empfohlen werden. Wirksame Behandlungsansätze existieren nicht.

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Leitlinie Diagnostik und Therapie beim wiederholten Spontanabort

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