Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
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Frauenheilkunde: Gutartige Erkrankungen - Prämenstruelles Syndrom

Als Prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet man das zyklische Auftreten von körperlichen und psychischen/affektiven Symptomen, die in Abhängigkeit von ihrer Ausprägung in einige Lebenssituationen bzw. -befindlichkeiten eingreifen und in wiederkehrender und vorhersehbarer Verbindung zur Menstruationsblutung stehen. Auch wenn diese Symptome in der Art und Weise und ihrer Ausprägung von Patientin zu Patientin nicht übereinstimmen bzw. exakt gleich vorliegen müssen, ist der zeitliche Zusammenhang mit der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus für das Syndrom kennzeichnend.

 

Prämenstruelle psychische und physische Veränderungen treten bei vielen Frauen auf, ohne dass sie zwangsläufig dem PMS zugeordnet werden müssen. Überwiegend leichte Formen des PMS findet man bei ca. 20% aller Frauen. Es kommt am häufigsten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr vor und tritt fast ausschließlich während einer Gelbkörperphase (siehe weiblicher Zyklus) nach einem stattgehabten Eisprung auf. In dieser Zyklushälfte wird das Gelbkörperhormon Progesteron produziert, während gleichzeitig die Östrogenausschüttung abfällt. Es wird vermehrt Wasser im Gewebe eingelagert.

 

Die Ursache des PMS ist unbekannt. Nach der am häufigsten vertretenen Hypothese kommt es zu veränderten zentralnervösen Regulationsvorgängen bzw. zu einer verstärkten neurobiologischen Reaktivität auf normale Estradiol- und Progesteronserumspiegel. Die normalen hormonalen Veränderungen nach dem Eisprung wirken als Trigger und führen zu einer Störung des serotonergen Systems. Serotonin und seine verschiedenen Rezeptoren stellen im Zentralnervensystem einen essenziellen Modulator für Stimmung und Befindlichkeit dar. Durch diese Störung wird nicht nur die Serotoninwirkung verringert, sondern auch die Empfindlichkeit des GABA-Benzodiazepin-Rezeptors und die Freisetzung von ß-Endorphin. Weitere Faktoren können einzeln oder gemeinsam zur Auslösung oder Verstärkung eines prämenstruellen Syndroms beitragen. Dazu gehören Störungen der Schilddrüse, der Genuss von Koffein oder Nikotin, Schlafstörungen, psychische Belastungen und ein Bewegungsmangel.

 

Die häufigsten körperlichen Symptome sind der geblähte Bauch, gefolgt von Brustspannen und Kopfschmerzen. Die häufigsten affektiven Symptome sind die Müdigkeit, gefolgt von Verwirrtheit, depressiver/launischer Stimmung und Vergesslichkeit.

 

Stehen überwiegend psychische Symptome in starker Ausprägung im Vordergrund, wird gelegentlich die Diagnose einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) gestellt.

 

Entscheidend für die Zuordnung der Symptome zum PMS sind das Vorliegen von sowohl körperlichen als auch affektiven Symptomen, das Vorhandensein im Zeitraum von mindestens 5 Tagen vor der Menstruation an mindestens 3 aufeinander folgenden Zyklen sowie die Symptomfreiheit nach der Menstruation über mindestens 10 Tage. Diese Symptomfreiheit sollte über mindestens 3 Zyklen vorliegen.

 

Für Frauen mit mildem PMS bevorzugt man seit einigen Jahren eine "lifestyle"-verändernde und diätetische Therapie. Das Vermeiden des Konsums von salzreichen Speisen, Alkohol, Schokolade und Koffein soll in den letzten Tagen vor Einsetzen der Regelblutung zur Linderung der Beschwerden beitragen. Durch Sport und Bewegung wird das im Körper gelagerte Wasser schneller abtransportiert. Vor allem entspannende Sportarten in Sonne und frischer Luft wie Spaziergänge, Radfahren, Joggen oder Schwimmen wirken depressiven Zuständen entgegen, wenn sie über mindestens 20-30 Minuten dreimal wöchentlich betrieben werden. Auch Entspannungsübungen (autogenes Training, Massagen, Bäder, Yoga usw.) können das prämenstruelle Syndrom abschwächen. Weiterhin wirken ausgewogene Ernährung und ausreichender Schlaf mit einem regelmäßigen Schlafrhythmus den körperlichen Symptomen entgegen. Seelische Symptome werden ebenfalls oft durch die genannten "natürlichen" Therapien gebessert oder behoben. Diese Möglichkeiten können eine Verbesserung der Symptome bewirken, ohne wesentliche unerwünschte Nebenwirkungen hervorzurufen. Eine pharmakologische Therapie sollte begonnen werden, wenn diese Maßnahmen keine Besserung hervorrufen. In Frage kommen z. B.

  • Vitamin B6, 100 mg tgl. in der 2. Zyklushälfte (z. B. Vitamin B6 Hevert®, 1 Tbl. tgl.),
  • Bonasanit®plus, eine Kombination aus Pflanzenextrakten, Vitaminen, Spurenelementen und Coenzym Q 10,
  • Keuschlammfrüchte (Femicur®, 1 Kps. tgl. über mindestens 3 Monate),
  • Antibabypillen mit dem Wirkstoff Drospirenon als Gestagen (20 µg Ethinylestradiol + 3 mg Drospirenon; 24/4) in Kombination mit Vitamin B6,
  • Psychopharmaka.

Fluoxetin als Antidepressivum der Wahl beim PMDS sollte mindestens über 6 Monate eingenommen werden, 20 mg tgl. morgens in der 2. Zyklushälfte oder auch durchgehend. In 15% der Fälle ist bei diesem Präparat mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Reizbarkeit als Nebenwirkungen zu rechnen. Alprazolam als Anxiolytikum (Beruhigungsmittel) wird in einer Dosierung von 2x 0,25 mg tgl. in der 2. Zyklushälfte eingenommen. Die Medikamente sind in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen, sodass es sich beim Einsatz um eine Off-Label-Verordnung im Rahmen eines individuellen Heilversuches handelt.


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