Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Praxis Dr. med. Uwe NabielekFrauenheilkunde und Geburtshilfe 

Online Terminvereinbarung

und Online Rezeptbestellung:

Hier

Frauenheilkunde: Gutartige Erkrankungen - Infektionen & Dermatosen

Aerobe Vaginitis/Kolpitis plasmacellularis:

 

Es handelt sich um eine Entzündung der Scheide durch Bakterien, die selbst noch nicht isoliert werden konnten. Leitsymptome dieser Scheideninfektion sind brennende Schmerzen, fleckförmige Rötung der Scheidenhaut (Erythem) und gelbgrüner dünner Ausfluss. In der Phasenkontrastmikroskopie sieht man mehr als 100 weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Gesichtsfeld bei 400-facher Vergrößerung (oft "toxisch" verändert, nämlich rundlich ohne strukturierten Inhalt), auch Plasmazellen und nur wenige kokkoide Erreger. Bei schweren Fällen treten auch Parabasalzellen auf. Heilung erreicht man in leichten unkomplizierten Fällen durch einwöchige lokale Therapie mit Clindamycin. Bleibt der Erfolg aus oder treten Rezidive auf, sollte die örtliche Behandlung bis zu vier Wochen fortgeführt werden oder Clindamycin in Tablettenform über 10 Tage (4x 300 mg/Tag) eingesetzt werden. Alternativ kann eine Vaginalcreme aus 0,15 % Estradiolvalerat, 0,3 % Clindamycin und 0,5 % Hydrocortison (Apothekenherstellung, ad 40,0 Basiscreme DAC) eingesetzt werden, die einmal wöchentlich (2 g) in die Scheide für die Dauer von 4 Monaten appliziert wird.

Atopisches Ekzem/Neurodermitis:

 

Ein atopisches Ekzem beruht auf einer anlagebedingten Überempfindlichkeit der Haut mit Neigung zur Ekzembildung. Die Vulva kann singulär betroffen sein, begleitet von Juckreiz und chronischem Verlauf. Das Ekzem entsteht auf der Basis eines gestörten epidermalen Lipoidstoffwechsels. Dies führt zu Schäden der Hautbarriere und damit zur ständigen Anregung von entzündlichen Reaktionen der Epidermis. Toxische Stimula wie lokale Medikamente und Kosmetika verschärfen die Situation. Insbesondere antientzündlich wirkende Antimykotika können Besserung vortäuschen, da diese vorübergehend den Juckreiz nehmen. Eine regelrecht toxische Wirkung für die Haut mit gestörter Barrierefunktion geht von Milchsäurebakterien aus. 

Die Diagnose atopische Dermatitis kann ohne Biopsie auskommen, wenn drei der vier folgenden Basissymptome vorliegen:

  1. Juckreiz.
  2. Ekzembildung im Bereich der Vulva und anderen charakteristischen Arealen (Beugenbetonung bei Erwachsenen).
  3. Chronisch rezidivierender Verlauf.
  4. Positive Eigen- und Familienanamnese.

Die Therapie basiert auf folgenden Grundsätzen:

  1. Basispflege mit rückfettenden Cremes.
  2. Antientzündliche Therapie.
  3. Vermeidung von Provokationsfaktoren.

Pflegende Basistherapeutika sind Produkte wie Deumavan®, Dexeryl® und Neuroderm® Pfegeecreme. Letztere enthält mit 20 % Glycerin einen natürlichen Feuchthaltefaktor. Dieser bewirkt eine Erhöhung der Hautfeuchtigkeit. Der Lipidanteil von 30 % sorgt für eine gute Rückfettung der Haut. Dadurch wird die Barriere-Funktion der Haut erheblich verbessert.

Für die antientzündliche Therapie des Vulvaekzems sind Glukokortikoide der unteren Wirkklassen wie Prednicarbat (Dermatop®) oder Methylprednisolon-Aceponat (Advantan®) ausreichend. Sie sollten anfangs 2x täglich angewandt werden, jedoch nicht länger als 4 Wochen. Danach sollte ein Wechsel zu kortisonfreien antientzündlichen Ersatzstoffen erfolgen, die auch bei längerfristiger Anwendung nicht zur Hautatrophie führen. Bewährt haben sich hierbei die Immunmodulatoren Tacrolismus (Protopic®) und Pimecrolismus (Elidel®), die 2x tgl. solange angewandt werden, bis keine Symptome mehr bestehen. Um Ekzemschübe dauerhaft zu vermeiden, wird eine bis zu zwölf Monate dauernde Erhaltungstherapie (Protopic®) empfohlen, 2x wöchentlich. Die Basistherapie mit rückfettender Basiscreme bleibt während der gesamten Behandlungszeit bestehen und sollte auch darüber hinaus fortgesetzt werden.

Zu den wichtigsten lokalen Provokationsfaktoren zählen Antiinfektiva und deren Begleitstoffe. Ein trockenes Milieu durch exzessive Anwendung von Tampons sollte vermieden werden. Auch psychische Belastungen können Schübe auslösen.

Bakterielle Vaginose

 

Als bakterielle Vaginose wird eine krankhafte Veränderung des Scheidenmilieus bezeichnet. Sie ist die häufigste Störung der Scheidenflora durch Bakterien, ist aber keine Geschlechtskrankheit. Allerdings kann Geschlechtsverkehr das Risiko für das Auftreten einer bakteriellen Vaginose erhöhen. Man schätzt, dass ca. 5.000 von 100.000 Frauen im Jahr von einer solchen Veränderung des Scheidenmilieus betroffen sind. Innerhalb von 7 Tagen nach Kontakt mit auslösenden Erregern kommt es in der Regel zu Beschwerden.

 

Als besondere Risikofaktoren gelten im Zusammenspiel mit einer genetischen Disposition:

  • Oralsex am weiblichen Genitale
  • die vaginale Penetration mit dem Finger
  • Analverkehr vor vaginalem Sex, wenn keine Kondome verwendet werden

 

Ist die Scheidenflora gesund, findet man hauptsächlich Milchsäurebakterien (Laktobazillen) vor. Diese sorgen für ein saures Scheidenmilieu, indem sie Milchsäure produzieren. Das saure Milieu bildet eine Art natürlichen Schutzschild und schützt die Scheidenflora vor einer Besiedlung durch andere Keime.

 

Ist die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht geraten, dann ist es zu Besiedelungen durch Bakterien oder Pilze gekommen, welche die Milchsäurebakterien verdrängt haben. Bei einer bakteriellen Vaginose findet man dann vor allem große Mengen an Gardnerella-Bakterien (Gardnerella vaginalis) in der Scheidenflora vor sowie in unterschiedlichem Ausmaß andere unter Luftausschluss (anaerob) lebende Bakterienarten wie Atopobium vaginae und auch vielleicht noch sehr kleine Bakterien ohne Zellwand namens Mykoplasmen.

 

Etwa 50 Prozent der Patientinnen klagen typischerweise über grau-weißen homogenen Ausfluss, der vermehrt, schaumig oder dünnflüssig sein kann. Dem Ausfluss haftet ein unangenehmer, meist fischiger Geruch an, der durch die gebildeten Amine entsteht.

Im äußeren Scheidenbereich können Juckreiz und Hautreizungen auftreten. Auch werden gelegentlich Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Wasserlassen festgestellt. Bei der bakteriellen Vaginose liegt keine Entzündung der Scheide vor.

Die bakterielle Vaginose gilt nicht nur als ästhetisches Problem, sie erhöht gleichzeitig das Risiko für gynäkologische Infektionen des Inneren Genitale (Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke) in besonderem Maße.

 

Die Behandlung erfolgt über Gabe von Antibiotika wie Metronidazol, Clindamycin oder Dequaliniumchlorid in Form von Tabletten oder Scheidenzäpfchen. Clindamycin ist zusätzlich als Vaginalcreme erhältlich. Diese Medikamente töten die anaeroben Keime in der Vagina. Dabei gelten Metronidazol und Clindamycin als Mittel der Wahl. Die Dauer und Intensität der Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, der Regenerationsfähigkeit der Vaginalflora sowie etwaiger Begleitumstände. Unter Therapie mit Metronidazol sollte aufgrund des sogenannten Disulfiram-Effektes Alkoholgenuss vermieden werden. Die vaginalen Applikationsformen von Metronidazol und Clindamycin können das Material von Kondomen angreifen und damit die Verhütungsmethode unsicher machen. Zu beachten ist, dass Atopobium vaginae resistent auf eine Behandlung mit Metronidazol ist. Antibiotikum der Wahl bei diesem Keim ist Clindamycin.

Wird die bakterielle Vaginose mit Antibiotika behandelt, heilt sie in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Allerdings kommt es häufig zu Rückfällen.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die intravaginale Verabreichung von Desinfizienzien. Auch Laktobazilluspräparate, Milchsäure oder Ascorbinsäure (Vitamin C) zur Ansäuerung bzw. Wiederaufbau des natürlichen Scheidenmilieus können Wirkung zeigen und werden auch zur Vorbeugung von Rezidiven eingesetzt.

 

Studien zeigen, dass bei betroffenen Frauen meist auch beim Sexualpartner Gardnerella-Bakterien nachweisbar sind. Bei Männern führt dies jedoch in der Regel nicht zu Beschwerden. Um die Rückfallhäufigkeit bei immer wieder kehrenden Vaginosen zu senken, ist eine Mitbehandlung des Partners in solchen Fällen durchaus sinnvoll.

 

Chronisch rezidivierende bakterielle Vaginosen können nach folgendem Schema behandelt werden:

  1. Sobelin® Kapseln: Beide Partner synchron 2x 300 mg täglich über 4 Tage. Clindamycin behandelt Gardnerella vaginalis und Begleitkeime wie Atopobium vaginae. Gesunde E. coli-Keime im Darm bleiben von Clindamycin dagegen verschont.
  2. Sobelin Vaginalcreme: Morgens und abends maximal tief intravaginal einführen, die Schamlippen behandeln, auch unter der Vorhaut und um die Klitoris.
  3. Arilin-Zäpfchen: jeweils ein Zäpfchen tief vaginal vor der Nacht über 6 Tage.
  4. Wiederaufbau der Vaginalflora mit z. B. Canesflor®, anfangs eine Woche täglich, danach zur Prophylaxe 1 Anwendung pro Woche.

ePaper
Leitlinie: Bakterielle Vaginose

Teilen:

 Bartholinitis:

 

Eine Bartholinitis stellt eine Entzündung einer der großen Scheidenvorhofdrüsen, Bartholin-Drüsen genannt, dar. Diese Drüsen sind für die Aussonderung von Sekreten in die Scheide für das Befeuchten des Scheideneinganges zuständig. Wird die Sekretion solch einer Drüse durch einen Verschluss des Ausganges gehindert, so staut sich das Sekret und es entsteht eine Bartholin-Zyste. Eine Schwellung im unteren Bereich der großen Schamlippe, eventuell Rötung und Schmerzen sind die Folge. Die häufigsten Verursacher sind Bakterien. Sie gelangen über den Scheideneingang in die Drüse und verursachen dort die Entzündung. Häufig sind verschiedene sogenannte anaerobe Keime ursächlich. Im Frühstadium können Sitzbäder mit desinfizierenden Zusätzen das Abklingen der Zyste bewirken. Führt dies nach 3-4 Tagen nicht zum Erfolg oder ist die Entzündung schmerzhaft, müssen Antibiotika, z. B. Metronidazol und Doxycyclin, und ggf. Antiphlogistika eingesetzt werden. Bei einem ausgeprägten Lokalbefund bleibt eine chirurgische Methode, die sogenannte Marsupialisation, als letzte Alternative übrig. Unter Narkose wird durch Einschneiden der Zyste das Ausfließen des Eiters hervorgerufen und anschließend wird die Zystenwand nach außen mit der Umgebung vernäht. Dadurch bleibt die Zyste offen und kann austrocknen.

 

Behcet-Syndrom:

 

Das Behcet-Syndrom ist eine Dermatose, hervorgerufen durch eine Entzündung von Gefäßen. Das Syndrom wird dem Rheumatischen Formenkreis zugeordnet. Die Entzündung führt zur Entwicklung von kleinen Geschwüren bevorzugt an der Innenseite der kleinen Schamlippen. Gleichzeitig können sich sogenannte Aphthen an der Mundschleimhaut entwickeln. Die Erkrankung tritt akut und schmerzhaft auf. Zur Unterscheidung zum primären Herpes genitalis sind die Leistenlymphknoten nicht geschwollen. Die Diagnose wird allein aus dem klinischen Bild und dem Verlauf beziehungsweise der raschen Abheilung durch eine Kortikosteroidsalbe gestellt. Ohne Behandlung verläuft der Heilungsprozess sehr langsam über 4-8 Wochen.

Chlamydien:

 

Warum sollte man sich über Chlamydieninfektionen informieren?

  • Chlamydien verursachen zu Beginn der Infektion keine oder nur geringe Beschwerden.
  • Chlamydieninfektionen sind im Frühstadium gut zu behandeln.
  • Chlamydien können zur Unfruchtbarkeit führen.
  • Chlamydien können ohne Behandlung zu chronischen Beschwerden führen.
  • Folgen einer Chlamydieninfektion sind nicht mehr oder kaum noch zu beseitigen, wenn die Infektion zu spät erkannt wird. 

Chlamydien gehören zu den kleinsten Bakterien und sind sehr schwer nachweisbar. Es gibt eine ganze Reihe von Chlamydienarten, die beim Menschen und beim Tier verschiedenste Krankheiten auslösen können. Die im Hinblick auf eine Infektion des Urogenitalbereichs bedeutsame Chlamydienart heißt Chlamydia trachomatis. Sie wird von Mensch zu Mensch über direkten Kontakt, meist über den Geschlechtsverkehr übertragen. Da alle Erreger, die im Genitalbereich vorhanden sind, bei der Geburt auch auf das Kind übertragen werden können, ist auch die Infektion eines Neugeborenen mit Chlamydien möglich. Neben dem Urogenitaltrakt infizieren die Erreger in Abhängigkeit mit den ausgeübten Sexualpraktiken unter Umständen auch den Enddarm und den Rachen.

 

Wie häufig sind Chlamydien?

Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis gilt neben den humanen Papillomaviren als häufigste sexuell übertragene Krankheit. Sie tritt altersabhängig unterschiedlich häufig auf. Bei über 45-jährigen sind Genitalinfektionen mit Chlamydien nur äußerst selten nachzuweisen, besonders betroffen sind junge, sexuell aktive Menschen nach einem Partnerwechsel. Jugendlichkeit ist deshalb ein Risikofaktor, weil aufgrund der Östrogendominanz in den ersten fertilen Jahren der Gebärmutterhals für Mikroorganismen leicht passierbar ist, die Reifung der lokalen Immunabwehr im Genitaltrakt zunächst noch unvollständig und bei rauchenden Frauen ohnehin vermindert ist.

Schätzungsweise sind chlamydieninfiziert, ohne es zu wissen:

  • 6 von 100 Frauen und Männern im Alter von 15-25 Jahren,
  • 2 von 100 Frauen und Männern im Alter von 25-45 Jahren,
  • 2 von 100 Schwangeren.

Bei Patientinnen mit Gebärmutter- oder Eileiterentzündung sind Chlamydien mehr als 10mal häufiger nachweisbar. Liegt bei Frauen eine Chlamydieninfektion vor, so lässt sich der Erreger bei der Hälfte der Partner ebenfalls nachweisen, wobei der Nachweis auch von der Empfindlichkeit der Testmethode abhängt. Es wird geschätzt, dass in Deutschland ca. 300.000 Frauen pro Jahr neu infiziert werden.

 

Wie verläuft eine Chlamydieninfektion?

Chlamydien vermehren sich im Vergleich zu den üblichen Bakterien anders und sehr langsam. Das bedeutet, dass auch die Infektion sehr langsam, über Wochen, Monate und Jahre verläuft. Sie beginnt am Muttermund, Mastdarm oder in der Harnröhre und breitet sich bei jedem zweiten Infizierten langsam im Körper aus. Die ersten Beschwerden treten frühestens nach einigen Wochen auf. In dieser Zeit sind die Chlamydien mittels Abstrich vom Muttermund oder aus dem Urin am besten nachweisbar. Nach einiger Zeit befinden sich die Chlamydien in Körperteilen wie Eileitern, Nebenhoden oder Gelenkknorpeln. Ein Nachweis gelingt dann oft nicht mehr so einfach. Der Nachweis der Infektion erlaubt keine Rückschlüsse, wie lange jemand schon infiziert ist und bedeutet daher nicht unbedingt, dass ein Partner fremdgegangen ist.

 

Woran kann man eine Chlamydieninfektion erkennen?

Oft überhaupt nicht, da Chlamydieninfektionen häufig - insbesondere zu Beginn der Infektion - keine Beschwerden verursachen. Die auftretenden Beschwerden sind meist leichter Natur und sowohl in ihrer Ausprägung als auch ihrer Art wechselnd. 

 

Folgende Krankheitszeichen sollten bei der Frau an eine Chlamydieninfektion denken lassen:

  • Brennen beim Wasserlassen, insbesondere wenn keine Blasenentzündung vorliegt,
  • Blutungsstörungen, besonders wenn sie unter der Pille oder nach dem Geschlechtsverkehr neu auftreten,
  • Ausfluss, besonders gelb und klebrig,
  • Bauchschmerzen, die leicht und wechselnd sind,

Schmerzen in der rechten Schulter und Gelenkschmerzen. 

 

Beim Mann können die ersten Anzeichen sein:

  • Schmerzen beim Wasserlassen,
  • Harndrang und gelber klebriger Ausfluss aus der Harnröhre. 

 

Welches sind die Folgen einer Chlamydieninfektion?

Eine abgelaufene Eileiterentzündung durch Chlamydien gilt als Hauptverursacher infektionsbedingter Sterilität. Die Anzahl der Paare, bei denen in Deutschland eine Unfruchtbarkeit auf eine Chlamydieninfektion zurückzuführen ist, wird auf weit über 100.000 geschätzt. 

Ernsthafte Komplikationen bei Frauen sind dementsprechend:

  • Eileiterentzündungen bis hin zu Eileiterverklebungen,
  • Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit. 

 

Das Beschwerdebild des Mannes kann umfassen:

  • Entzündungen der Harnröhre, der Hoden oder der Nebenhoden,
  • Unfruchtbarkeit. 

 

Sowohl beim Mann als auch bei der Frau können weitere Komplikationen sein:

  • Rheumatische Entzündungen an Gelenken, an der Wirbelsäule und an den Sehnenansätzen,
  • Herzmuskelentzündung,
  • Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündung des Auges.

 

All diese Erscheinungen können in Schüben oder chronisch verlaufen. 

 

Wie wird eine Chlamydieninfektion nachgewiesen?

Für den Nachweis muss eine Probe entnommen werden. Zu diesem Zweck kann mit einem Wattetupfer bei der Frau ein Abstrich vom Muttermund und/oder der Harnröhre und beim Mann ein Abstrich aus der Harnröhre entnommen und auf den Erreger untersucht werden. Im Abstrich lässt sich eine Infektion erst 10 bis 14 Tage nach Ansteckung nachweisen. Alternativ kann eine Urinprobe untersucht werden. Bei der Urinprobe ist zu beachten, dass hier Morgenurin verwendet wird oder mindestens 1 bis 2 Stunden die Harnblase nicht entleert wurde. Zudem sollte Erststrahlurin verwendet werden, nicht Mittelstrahlurin. Die Schamlippen dürfen vor der Probengewinnung nicht gereinigt werden. Im Nativpräparat finden sich unreife metaplastische Zellen mit zahlreichen Vakuolen im Zytoplasma und typischen Einschlusskörperchen, allerdings ist die Diagnose so nicht sicher zu stellen. Die empfindlichste Nachweismethode stellt die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) dar. Kostengünstiger ist ein Enzymimmunoassay (EIA), der zwar auch eine hohe Spezifität von 92-100 % aber eine niedrigere Sensitivität von 65-95 % aufweist, d. h. es gibt auch falsch positive Ergebnisse (der Test ist positiv auf den Erreger, die untersuchte Person aber gesund). Für Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal im Kalenderjahr und Schwangere ist eine Untersuchung des Urins mittels PCR eine Leistung aller Krankenversicherungen. 

 

Kann man Chlamydieninfektionen behandeln?

Prinzipiell ist eine Chlamydieninfektion im Frühstadium gut mit Antibiotika zu behandeln, vorausgesetzt man hält die vorgeschriebene Therapiedauer und die Dosierungsempfehlungen genau ein. Therapiestandard außerhalb der Schwangerschaft ist die Gabe von 2x 100 mg Doxycyclin täglich für 7-10 Tage in Tablettenform. Auf jeden Fall sollte der Partner ebenfalls zur gleichen Zeit behandelt werden. Bei verschleppter Infektion hingegen muss viele Wochen behandelt werden; eine Ausheilung ist in diesen Fällen leider auch dann nicht immer möglich. Eine unkomplizierte Infektion des Gebärmutterhalses kann auch mit 1000-1500 mg Azithromycin als Einzeldosis therapiert werden oder mit 4x 500 mg Erythromycin täglich über 10 Tage oder mit 1x 250 mg Levofloxacin täglich über 10 Tage. Eventuell bestehende Kontraindikationen gilt es natürlich zu beachten. Beim Vorliegen von Mischinfektionen können Kombinationen aus Ofloxacin (2x 400 mg tgl.) plus Metronidazol (2x 500 mg tgl.) über 14 Tage oder aber Amoxicillin/Clavulansäure (2x 875/125 mg tgl., z. B. Amoxi Clavulan AL 875/125 mg®) plus Metronidazol (3x 500 mg tgl.) über 10-14 Tage verordnet werden.

Etwa 4-6 Wochen nach abgeschlossener Therapie kann bei Verdacht auf ein Therapieversagen eine Nachfolgeuntersuchung auf Chlamydien erfolgen. Informieren Sie die Sexualpartner der letzten 60 Tage über ihre Infektion, da eine Mitbehandlung erforderlich ist.

 

Wie kann man sich vor Chlamydieninfektionen schützen?

Benutzen Sie Kondome, wenn Sie wechselnde Geschlechtspartner haben. Sie schützen vor einer Übertragung, wenn sie konsequent, d. h. auch schon beim Vorspiel, getragen werden. Werden Sexspielzeuge wie Vibratoren von mehreren Personen gemeinsam benutzt, sollten sie vor einer Weitergabe desinfiziert werden. Lassen Sie sich auf Chlamydien untersuchen, wenn Sie den Verdacht haben, sich angesteckt zu haben. Sprechen Sie auch mit Ihrem Partner über Chlamydien und mögliche Krankheitszeichen, um eine Chlamydieninfektion so früh wie möglich erkennen zu können.

Condylomata acuminata (Feigwarzen, Spitze Kondylome):

 

Diese weltweit häufigste, beim Intimkontakt übertragene Virus-Erkrankung des äußeren Genitale befällt 1-2 % der sexuell Aktiven zwischen dem 15.-49. Lebensjahr. In Deutschland sind pro Jahr etwa 89.000 Neuinfektionen zu erwarten. Bei mehr als 90 % aller spitzen Kondylome sind humane Papillomaviren (Niedrigrisiko-HPV Typen 6 oder 11) nachzuweisen. Bei bis zu 50 % dieser Veränderungen liegen zusätzliche Co-Infektionen mit den Hochrisiko-HPV-Typen 16, 18 und 45 vor. Diese führen zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Krebsvorstufen (Dysplasien) von Vulva, Scheide, Gebärmutterhals, Harnröhre sowie der Region um den Anus (Perianalregion). Daher hat etwa jede 4. Frau mit Condylomata acuminata des äußeren Genitale auch schon eine HPV-Infektion des Gebärmutterhalses bzw. der Scheide, bei etwa jeder Zehnten besteht an diesen Stellen bereits eine Dysplasie! Die Condylome treten als blumenkohlartige Tumoren von unterschiedlicher Größe auf. Sie sind weich und in der Regel nicht druckschmerzhaft. Bei perianalen Warzen ist stets auch eine Enddarmspiegelung angezeigt. Bei Sitz am Harnröhrenausgang muss eine Harnröhrenspiegelung zum Ausschluss von Kondylomen in der Harnröhre (maximal in 8 % bei vulvärem Befall) folgen. Perianale sowie harnröhrennahe Feigwarzen sind immer zuvor zu entfernen, um endoskopisch keine Verschleppung HPV-infizierter Zellen in den Analkanal sowie die Harnblase zu riskieren.

 

Subklinische (nicht mit dem Auge sichtbare) Herde lassen sich durch Essigsäureanfärbung visualisieren. Dabei demaskieren sich sogenannte HPV-getriggerte Epithelhyperplasien nach Betupfen mit drei- bis fünfprozentiger Essigsäure im Sinne einer klassischen Weißfärbung.

 

Seit dem Jahr 2007 gibt es eine Impfung gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18. Sie gewährleistet auch eine primäre Prävention gegenüber 90% aller Condylomata acuminata.

 

Therapeutisch gibt es mehrere Verfahren, welche in einer Leitlinie der Deutschen STD-Gesellschaft beschrieben sind. Empfehlenswert scheint nach möglicher operativer Abtragung von Kondylomen eine anschließende Behandlung mit Imiquimod (Aldara® 5 % Creme), um verbliebene virusinfizierte Keratinozyten (hornbildende Zellen in der Oberhaut) immunologisch zu eliminieren. Dadurch lässt sich die Rezidivrate von 30-60 % auf 15 % reduzieren. Alternativ kann ein aus grünen Teeblättern gewonnenes Catechinpräparat (Veregen® 10 % Salbe) eingesetzt werden. Die Salbe wird dreimal täglich auf alle äußerlichen Feigwarzen im Bereich der Geschlechtsteile und um den After herum aufgetragen. Die Behandlung mit der Salbe sollte so lange fortgesetzt werden, bis alle Feigwarzen abgeheilt sind, insgesamt jedoch nicht länger als 16 Wochen, selbst wenn während der Behandlung neue Feigwarzen entstehen.

Dellwarzen (Mollusca contagiosa):

 

Dellwarzen werden durch das Virus Moluscum contagiosum übertragen. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt (Sex) oder Schmierinfektion (z. B. Handtücher). Als Inkubationszeit werden 3 bis 12 Wochen angegeben. Nach der Übertragung auf die Vulva finden sich derbe, flache bis linsengroße weiße oder hautfarbene Knötchen mit glatter und oft glänzender Oberfläche. Typisch ist in der Mitte eine Delle. Auf Druck entleert sich teigige Masse, die Moluskumkörperchen genannt wird.

 

Dellwarzen bilden sich häufig nach einigen Monaten spontan zurück. Sie können aber auch chirurgisch durch Abtragung mit dem scharfen Löffel oder einer speziellen Pinzette entfernt werden. Eine Vereisung ist eine mögliche Alternative.

Exanthem:

 

Die äußere Erscheinung einer allergischen Reaktion am Genitale stellt ein Exanthem dar. Es kommt zu einer plötzlichen schmerzhaften Anschwellung der kleinen Schamlippen, ohne dass eine mechanische Strapazierung vorausgegangen ist oder Verletzungen sichtbar sind, in Verbindung mit roten Flecken und einem brennenden Beschwerdebild. Es kann die Folge einer Arzneimittelunverträglichkeit (Arzneimittelexanthem) oder Symptom einer allergischen Reaktion nach Kontakt mit z. B. einem Latexkondom sein. Die Diagnose wird durch die Vorgeschichte bzw. die Einnahme bestimmter Therapeutika (z. B. Doxycyclin, Statine oder NSAR) gestellt. Rasche Heilung bringen Kortikosteroidsalben und Antihstaminika. Gelegentlich verschwinden die Flecken nicht wieder, sondern nehmen im weiteren Verlauf eine dunkelbraune Tönung an im Sinne eines chronischen fixen Arzneimittelexanthems. Dies kann monatelang so bleiben. Nimmt eine betroffene Person das auslösende Medikament erneut ein, flammt das Exanthem wieder auf. Ein Epikutantest kann möglicherweise das Allergen nachweisen.

Follikulitis:

 

Bei Haarbalgentzündungen wird meist der Erreger Staphylococcus aureus nachgewiesen. Als begünstigende Faktoren sind Rauchen, Übergewicht, enge Kleidung, Diabetes mellitus, eine Hyperandrogenämie, genetische Faktoren (Vererbung), Ernährung und Stress bekannt. Eine Follikulitis kann lokal mit PVP-Jodsalbe oder antibiotischen Salben behandelt werden. Bei zahlreichen Abszessen kann auch eine systemische Antibiose mit Cephalosporinen erfolgen.

Gonorrhoe:

 

Gonorrhoe (Tripper) ist eine Geschlechtskrankheit, hervorgerufen durch eine Bakterienart, die Gonokokken. Oft ist die Symptomatik untypisch oder nicht vorhanden, gelegentlich ist die Gonorrhoe kombiniert mit einer Chlamydieninfektion. Das Infektionsrisiko ist hoch. Bei Frauen liegt es nach einmaligen Kontakt bei 60-90 %. Leitsymptom bei Männern ist eine heftige, schmerzhafte Entzündung der Harnröhre, die nach einer Inkubationszeit von 2-7 Tagen auftritt. Diese verläuft bei Frauen häufig asymptomatisch. Vom Genitale ist zunächst der Gebärmutterhals am häufigsten betroffen. Es imponiert grünlich-eitriger bzw. schleimiger Ausfluss. Charakteristisch ist auch das Auslösen einer Blutung, indiziert durch sanftes Einführen eines Tupfers in den Muttermund am Gebärmutterhals. Später kann sich die Entzündung auf Gebärmutterkörper, Eileiter und Gelenke ausbreiten. Es sind jedoch auch extragenitale Lokalisationen wie der Anorektalbereich oder der Rachen zu bedenken. Die Komplikationen sind ähnlich denen einer Infektion mit Chlamydien. Unter der Geburt können sich die Neugeborenen anstecken und nach einer eitrigen Augenbindehautentzündung schließlich erblinden.

 

Man hat sich darauf geeinigt, dass eine Entzündung am Gebärmutterhals vorliegt, wenn bei Betrachtung von Gebärmutterhalssekret bei 400-facher Vergrößerung mehr als 30 Leukozyten pro Gesichtsfeld vorliegen. Im Gram-Präparat finden sich gehäuft intraleukozytäre, gramnegative kaffeebohnenförmige Diplokokken.

Zur kulturellen Anzüchtung werden verschiedene Nährmedien verwandt.

 

Mittel der Wahl für die Therapie ist Ceftriaxon, 1000 mg intramuskulär oder intravenös, in Verbindung mit 1500 mg Azithromycin in Tablettenform jeweils als Einmaldosis. Alternativ zu Ceftriaxon kann auch Cefixim, 800 mg, als Einmaldosis in Tablettenform eingesetzt werden. 

Hepatitis B:

 

Auch das Hepatitis B-Virus wird durch Intimkontakt übertragen. Die Zeit zwischen Infektion und Manifestation der Krankheit kann 45–180 Tage betragen (im Durchschnitt etwa 60–120 Tage).

  • In der ersten Phase der Infektion sind zunächst Bestandteile des Virus (Virus-Antigene) im Blutserum nachweisbar, dazu gehört unter anderem das HBs-Antigen (HBs-Ag). Dieses wird zum Screening auf eine akute Infektion bestimmt. Es handelt sich um ein Eiweiß, das auf der Oberfläche des Virus sitzt.
  • Eine Bestimmung von Anti-HBc (Antikörper gegen Hepatitis B-Core-Antigen) würde die  Frage nach einer abgelaufenen Hepatitis B klären, ohne Unterscheidung ob ausgeheilt oder chronisch.
  • Eine Bestimmung von Anti-HBs (Antikörper gegen Hepatitis B-Surface-Antigen) würde die Frage klären, ob eine Immunität nach Impfung oder Erkrankung besteht.

Eine Hepatitis B-Erkrankung kann, abhängig vom Immunsystem des Patienten, sehr unterschiedlich verlaufen. Etwa ein Drittel der infizierten Erwachsenen und 90 % der Kinder und Säuglinge bleiben ohne äußerliche Beschwerden. 70 % der Infizierten leiden zu Beginn der Erkrankung unter Symptomen wie Erschöpfungszuständen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens. Bei etwa einem Drittel kommt eine Gelbsucht hinzu. Ohne Komplikationen klingen die Beschwerden nach drei bis fünf Wochen ab. Bei weniger als 1 % der Fälle kommt es zu einem akuten Leberversagen. Etwa bei 5-10 % der infizierten Erwachsenen verbleiben die Erreger sehr lange, manchmal lebenslang im Körper. Solche sogenannten chronischen Virusträger erkranken in 10-20 % der Fälle nach vielen Jahren an Leberzirrhose, einige auch an Leberzellkrebs. Die chronischen Virusträger können das Virus mit ihren Körperflüssigkeiten ausscheiden. Deshalb ist Hepatitis B für die Sexualpartner nicht nur während der akuten Infektionsphase ansteckend, sondern eventuell auch später. Eine schwangere Virusausscheiderin kann ihr Kind schon bei der Geburt anstecken. Von den infizierten Neugeborenen werden aber nicht nur 5-10 %, sondern 90 % chronische Virusträger. Aus diesem Grund werden heute alle Schwangeren auf Hepatitis B getestet. Wer chronischer Virusausscheider ist, dessen Kind wird unmittelbar nach der Geburt gegen Hepatitis B geimpft.

Herpes genitalis:

 

Herpes genitalis wird durch Herpes-simplex-Viren der Typen 1 und 2 (HSV-1 und -2) hervorgerufen. HSV-1 wurde ursprünglich fast ausschließlich im Mundbereich nachgewiesen (Lippenherpes), doch mittlerweile muss davon ausgegangen werden, dass aufgrund der zunehmenden Verbreitung oraler Sexualpraktiken bei etwa 30 % der genitalen Herpes-Patientinnen HSV-1 die Ursache ist. Dagegen wird HSV-2 überwiegend durch Geschlechtsverkehr übertragen. Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass nicht nur die Läsionen der klinisch manifesten Erkrankung infektiös sind. Auch völlig asymptomatische Virusträgerinnen und -träger können Erreger im Rahmen unbemerkter Reaktivierung der latenten Erkrankung ausscheiden. Herpes genitalis ist eine chronische und potenziell lebenslänglich infektiöse Virusinfektion. Man geht in Deutschland von einer HSV-2-Seropositivität von 14 % bei Erwachsenen aus, bei HSV-1 schätzt man die Seropositivität auf 90 %.

 

Die Diagnose einer HSV-Infektion wird bei Auftreten der typischen bläschenförmigen Hauterscheinungen auf gerötetem Grund bereits klinisch gestellt. Häufig findet sich auch ein buntes Bild von Knötchen, Bläschen und Erosionen. Die Leistenlymphknoten können geschwollen und schmerzhaft sein. Handelt es sich um eine Erstinfektion, können zusätzlich ausgeprägte Allgemeinsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerz auftreten. Damit ist ein sogenannter primärer Herpes genitalis die schwerste und schmerzhafteste Infektion der Vulva. Rezidive sind meist weniger ausgedehnt nur an einer Stelle der Vulva zu finden. Die Labordiagnostik einer Infektion erfolgt über die Untersuchung von Bläschenflüssigkeit mittels sogenannter Nukleinsäureamplifikationstechnik (NAT), falls zum Zeitpunkt der Untersuchung Bläschen vorliegen. Die für eine schnelle Aussage nach Infektionsbeginn nicht geeigneten serologischen Nachweismethoden sollten frühestens 10 Tage nach Auftreten der ersten Symptome erwogen werden. Die Immunglobulinklassen können getrennt nach IgG und IgM bestimmt werden. Obwohl nicht zur Diagnostik geeignet, kann die differenzierte Bestimmung von HSV-1- und HSV-2-Antikörpern durchaus die Unterscheidung eines genitalen Herpes, der eben vorwiegend HSV-2-assoziiert ist, von anderen Genitalerkrankungen erlauben.

 

Die Therapie einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren richtet sich nach dem allgemeinen Gesundheitszustand und der Schwere der klinischen Manifestation. Bei gutem Gesundheitszustand und nur diskreten Läsionen (Erscheinungsbildern an der Haut) kann die lokale Gabe von Aciclovir Creme reichen, im Frühstadium sogar Zinksulfatgel (z. B. Virudermin®) ausreichen.

Systemisch ist ebenfalls Aciclovir Mittel der Wahl, z. B. bei einem primären Herpes genitalis 3x 400 mg oder 5x 200 mg tgl. in Tablettenform über 7-10 Tage, bei Rezidiven 2x 800 mg über 5 Tage. Wenn Aciclovir nicht wirkt, sind Valaciclovir (Valtrex®) und Famciclovir (Famvir®) Alternativen. In den seltenen Fällen einer Aciclovir-Resistenz gilt Foscarnet i.v. als Alternativtherapeutikum. Bei schmerzhaften Läsionen ist zusätzlich ein Lokalanästhetikum (z. B. Anaesthesulf® Lotio) sinnvoll.

Bei Primärinfektionen sollten die Medikamente mindestens fünf Tage gegeben werden. Im Fall von Rezidiven genügen oft ein bis zwei Tage - vorausgesetzt, die Therapie wird begonnen, sobald sich Beschwerden einstellen.

HIV:

 

AIDS ist eine Erkrankung durch ein Virus (HIV), die nicht geheilt werden kann. Das Virus ist über besondere Risikogruppen über die ganze Welt verteilt worden und stellt inzwischen eines der größten Infektionsrisiken bei Sexualkontakten dar.

 

Das Tückische dieser Infektion ist, dass sie zunächst fast keine Beschwerden verursacht, jedoch im Laufe der Jahre das menschliche Abwehrsystem zerstört, so dass der Mensch dann vielen bis dahin harmlosen Erregern schutzlos ausgeliefert ist. Der Körper altert und verliert Gewicht bis hin zum Tod. Der Erreger befindet sich in Samenflüssigkeit und Blut und wird in erster Linie durch Sexualkontakte und unsaubere, d. h. gemeinsam benutzte, Injektionsnadeln bei Drogenabhängigen übertragen. Sollte das Virus einmal in die Blutbahn gelangen, bleibt es das ganze Leben lang im Körper, und der Mensch würde es an Sexualpartner weitergeben.

 

Durch Umarmungen, Küssen, Türklinkenanfassen, fremde Toiletten, im Schwimmbad, durch Benutzen einer fremden Kaffeetasse usw. wird das Virus nicht übertragen. Bei Analkontakten kann man sich wesentlich leichter infizieren als bei Scheidenkontakten, da die Darmschleimhaut leichter verletzbar ist. Das Übertragungsrisiko wird durch zusätzliche Genitalinfektionen noch größer. Leider wird das Virus in der Schwangerschaft und bei der Geburt auf einen gewissen Teil der Kinder übertragen. Durch einen Bluttest kann man feststellen, ob eine Infektion vorliegt. Dieser wird in der Schwangerschaft auch von allen deutschen Krankenkassen getragen. 

 

Und wie kann man sich vor AIDS schützen?

 

Der beste Schutz ist die Vermeidung von Risikokontakten, d. h. Sexualkontakten mit Drogenabhängigen, mit Personen aus Gebieten mit hoher AIDS-Durchseuchung, mit Bisexuellen oder mit Personen, die Geschlechtsverkehr mit verschiedenen Partnern haben. Die Pille schützt zwar vor einer Schwangerschaft, aber nicht vor AIDS! Auch wenn der Geschlechtspartner nicht zu einer Risikogruppe gehört, sollte konsequent ein Kondom benutzt werden.

 

Ein HIV-Test würde in der Regel 2 Monate nach fraglichem Infektionstermin positiv ausfallen, ein negativer Test schließt somit dann eine HIV-Infektion weitgehend aus. Hat jemand einen festen und treuen Partner, können beide einen HIV-Test machen lassen und nach negativem Ergebnis auf das Kondom verzichten, wenn es nicht zur Verhütung gebraucht wird.

 

Eine Post-Expositionsprophylaxe ist am erfolgreichsten, wenn sie innerhalb von 2 Stunden begonnen wird. 72 Stunden nach Exposition wird sie nicht mehr empfohlen.

Eine mögliche Indikation ist ein "Kondomunfall" bei vaginalem oder analem Verkehr, wenn der Behandlungsstatus eines HIV-positiven Partners unbekannt ist.

Keine Indikationen sollen sein:

  • eine Verletzung an einem alten, weggeworfenen Spritzenbesteck
  • ungeschützter Oralverkehr mit einem HIV-positiven Partner (auch bei Aufnahme von Sperma)
  • ungeschützter heterosexueller Vaginal- oder Analverkehr mit einem Partner (auch Sexarbeiter), dessen HIV-Status unbekannt ist

Intertrigo:

 

Das Wort stammt aus dem lateinischen: inter - zwischen; terere, tero, trivi - reiben. Zu einer intertriginösen Entzündung der Haut Dermatitis) kann es durch die irritative Wirkung flächenhaft aneinanderliegender Haut kommen. Besonders bei adipösen Menschen können Reibung und Sekretstau in flächenhaft aufeinanderliegenden Hautfalten, vor allem bei starker Hitze und Schwitzen, zu einer Mazeration führen. Auch verschwitzte/durchnässte Kleidung kann ein begünstigender Faktor sein. In den Hautfalten ist die Haut bei der akuten Intertrigo massiv gerötet, teilweise serös exsudiert, und kann stark jucken oder brennend schmerzhaft sein. Die Intertrigo perinealis (am Damm und zwischen den Gesäßbacken und Oberschenkeln) wird auch als Wolf bezeichnet. Bei Fortbestehen der auslösenden Faktoren und bei der primär chronischen Intertrigo bildet sich ein intertriginöses Ekzem. Die entzündlich verdickte Haut weist dann eine Schuppung auf, gelegentlich auch Nässen oder Rhagaden. Die angegriffene Haut wird in diesem feuchtwarmen Milieu anfällig für Sekundärinfektionen durch Candida albicans oder Bakterien.

Candida intertrigo stellt die häufigste Komplikation einer Intertrigo dar, wobei Adipositas, Diabetes mellitus und allgemeine Abwehrschwäche als begünstigende Faktoren eine Rolle spielen können – ebenso wie Inkontinenz, chronische Bettlägerigkeit, hormonelle Kontrazeption oder Schwangerschaft. Ursache und Folge sind nicht klar voneinander zu trennen, da der Erreger die Entzündung verstärkt und die Entzündung wiederum die Bedingungen für den Erreger begünstigt. Typisch sind relativ scharfe Begrenzungen durch eine dem entzündlich geröteten und nässenden Herdzentrum zugewandte Schuppenkrause. Manchmal treten randwärts kleine Pusteln mit weißgelblichem Inhalt auf. Auch in der näheren Umgebung der juckenden Areale können Papeln und Pusteln als Streuherde auftreten.

Kontaktdermatitis (Vulvodynie, Burning-Vulva-Syndrom):

 

Bei einer Kontaktdermatitis (allergisch, irritativ) handelt es sich um eine Intoleranzreaktion der Haut auf verschiedene chemische und mechanische äußere Einflüsse. Sie kann vorliegen, wenn die Vulva völlig normal aussieht, aber besonders bei Berührung brennende Schmerzen entstehen, so dass eine Kohabitation nicht mehr möglich ist. In der Nativmikroskopie sind nur Laktobazillen ohne Leukozyten zu sehen. Mit einem Test kann die Überreaktion der Haut sichtbar gemacht werden: 30 Minuten nach Auftragung von Emla®-Creme auf die Innenseiten der kleinen Schamlippen kommt es zu einer Schwellung und Rötung der behandelten Stelle. Abhilfe schafft nur das Weglassen aller bisherigen Lokalbehandlungen oder auch eines Pessars und eine Hautpflege mit hochwertigen Fettprodukten. Nach Monaten kommt es so zu einer Besserung und Heilung.

Krätze (Scabies):

 

Bevorzugte Stellen der Krätze, die von Kratzmilben verursacht wird, sind neben der Vulva auch Handgelenke, Ellenbogen, Nabel oder Fußränder. Klinisch finden sich juckende Knoten sowie typische Hautveränderungen mit Exanthemen, Milbengängen und sekundären Kratzeffekten. Diagnostiziert wird klinisch, wobei der Nachweis der Kotballen entscheidend ist. Eingesetzt werden bei der Patientin und deren engen Kontaktpersonen Präparate mit Benzylbenzoat, z. B. Antiscabiosum® Emulsion (1. Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit) oder Crotamiton, z. B. Crotamitex® Salbe.

Leitlinie zu Scabies.pdf
PDF-Dokument [157.7 KB]

Läuse:

 

In der Gynäkologie hat man es meist mit Filzläusen (Phthirus pubis, Schamlaus) zu tun. Filzläuse bevorzugen behaarte Körperregionen, in denen viele Schweißdrüsen sind wie Schambereich und Achselhöhlen. Sie können Juckreiz im vorderen Schamhaarbereich auslösen. An den Bissstellen bilden sich oft kleine Blutergüsse. Der Nachweis der blass-gelblichen Filzläuse oder von Blutkrusten und Kotbällchen zwischen den Schamhaaren lassen die klinische Diagnose zu. Behandelt wird lokal z.B. mit einem Pumpspray mit Inhaltsstoffen wie Dimeticon, Triglyceriden und Jojobawachs (Nyda®), Pyrethrum-Lösung (Goldgeist® Forte) oder Allethrin (Jacutin Pedicul® Spray). Eine ergänzende Therapie besteht darin, die Behaarung wegzurasieren. 

Lichen planus (Lichen ruber planus):

 

Der Lichen planus ist eine Hauterkrankung mit roten Knötchen an der Haut, besonders häufig sind die Innenseite der Handgelenke und die Vorderseite der Schienbeine betroffen, sowie weißlichen streifenartigen Veränderungen an der Wangenschleimhaut und den Genitalien. Ein Lichen planus in seiner Frühform führt zu Juckreiz. Die schmerzhafteste Dermatose mit brennenden Beschwerden ist dann das Spätstadium eines Lichen planus, der Lichen planus erosivus. Typischerweise finden sich scharf demarkierte Erosionen neben der Vulva auch in der Vagina und der Mundschleimhaut. Die Diagnose wird histologisch gestellt. Therapeutisch wird eine lokale Kortikosteroidtherapie bevorzugt. Vor allem bei Ausdehnung auf die Vagina kommt im Off-Label-Use die Anwendung von Hydrocortison-Rektalschaum in Frage.

Lichen sclerosus:

 

Der Lichen sclerosus, auch Weißfleckenkrankheit genannt, ist die häufigste Dermatose des Genitale, bis zu einem Prozent der Frauen sind betroffen. Er tritt bei Mädchen und Frauen jeden Alters auf, mit zunehmenden Alter allerdings etwas häufiger. Die Ursache dieser Erkrankung ist letztlich unklar. Typisch ist das porzellanweiße Epithel (weißliche Hautbezirke), teils zusammen mit umschriebenen Hyperkeratosen (übermäßiger Verhornung der Haut). Ein früher Lichen sclerosus ist als glänzende Hautrötung oder fleckförmige Depigmentierung an der Klitoris oder den kleinen Schamlippen sowie in den Furchen zwischen den großen und kleinen Schamlippen (interlabiale Sulci) sichtbar. Die Veränderungen können symptomlos bleiben oder gehen mit Juckreiz, seltener mit brennenden Beschwerden einher. Mit einer Stanzbiopsie kann die Diagnose gesichert werden. De Biopsie sollte in zwei Arealen mit einer Stanze von mindestens 4 mm Durchmesser erfolgen. Therapie der Wahl ist die lokale Anwendung von hochpotenten Glukokortikoiden (z. B. Clobetasol- oder Mometasonfuroat in Salbenform) über einen Zeitraum bis zu 3 Monaten in absteigender Dosierung, beispielsweise vier Wochen lang einmal täglich, dann vier Wochen lang nur noch an jedem zweiten Tag und im dritten Monat noch zweimal pro Woche. Eine rückfettende Salbe ist danach angezeigt, um den Feuchtigkeitsverlust zu reduzieren und die mechanische Belastung der Haut zu reduzieren. Der Lichen sclerosus neigt zu Rezidiven und kann über viele Jahre immer wieder aufflammen und sich dann auch als therapieresistent erweisen.

 

Link: Lichen sclerosus - Informationen vom Zentrum für Rheumatologie und Autoimmunerkrankungen des Katholischen Klinikums Bochum

Lichen simplex chronicus (Sonderform des atopischen Ekzems):

 

Während bei der akuten Form eines Ekzems Erytheme, Nässen, Bläschen, Papeln und Krusten auftreten, finden sich bei der chronischen trockenen Form Hautverdickungen, Lichenifizierung (grobe Hautfalten) und Schuppung. Diese Hauterkrankung kann durch eine chronisch umschriebene Traumatisierung der Haut bei Juckreiz oder als Folge eines atopischen Ekzems entstehen. Die Diagnose wird häufig durch eine Biopsie gestellt. Therapie der Wahl ist die lokale Anwendung von hochpotenten Glukokortikoiden über einen Zeitraum von mindestens einen Monat, gelegentlich bis zu 3 Monaten.

Lues, Syphilis (Treponema pallidum):

 

Die durch Bakterien hervorgerufene Syphilis, auch Lues genannt, ist bei uns seltener geworden, in anderen Ländern der Erde ist sie noch wesentlich häufiger. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt mit Haut oder hautnahen Schleimhäuten infizierter Personen, das heißt bei Sexualkontakten. Typisch für den Beginn einer Syphilis ist ein schmerzloses Geschwür, scharf begrenzt, flach, mit einem gelblich belegten Grund und derben Randwall im Geschlechtsbereich (Ulcus durum), das nur sehr langsam über ca. 4 Wochen abheilt (Primärstadium, Lues I). Meist findet es sich an der vorderen oder hinteren Kommissur (Vereinigungsstellen der beiden großen Schamlippen), an einer kleinen Schamlippe oder am Gebärmutterhals. Ansonsten bestehen zunächst keine Beschwerden oder Veränderungen.

Acht Wochen nach der Ansteckung kommt es oft zu grippeartigen Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen. Die Lymphknoten am ganzen Körper sind geschwollen. Die Erkrankung ist nun in ein generalisiertes Stadium übergegangen. Nach zehn Wochen erscheint bei den meisten Erkrankten ein Hautausschlag (Exanthem). Zunächst sind es nur schwachrosa gefärbte Flecken, die sich in kupferfarbene Knötchen (Papeln) verwandeln. Breite Papeln, die besonders in Hautfalten auftreten, nennt man Condylomata lata. Wenn diese aufgehen und nässen, ist die austretende Flüssigkeit hoch infektiös. Seltener treten auch Schleimhautveränderungen im Mund und an den Genitalien auf. Manchen Patientinnen fallen die Haare aus. Alle Hauterscheinungen (Syphilide) heilen nach ungefähr vier Monaten ab. Unbehandelt kommen sie innerhalb verschiedener Zeitabstände wieder. Typischerweise tritt bei allen Hauterscheinungen der Syphilis wenig bis kein Juckreiz auf.

Die Syphilis ist eine der gefährlichsten Geschlechtskrankheiten, da sie ohne Behandlung den Körper und schließlich das Gehirn im Verlauf der Jahre schwerst schädigt. Der mikrobiologische Nachweis erfolgt primär serologisch über den Antikörpernachweis im Rahmen einer Stufendiagnostik. Jede Schwangere wird auf Syphilis untersucht, da der Erreger schon im Mutterleib auf das Ungeborene übertragen wird.

 

Die Frühsyphilis wird einmalig mit 2,4 Mio. IE Benzathin-Benzylpenicillin (z. B. Pendysin® 1,2 Mio I.E.) intramuskulär behandelt, die Spätsyphilis dreimalig im wöchentlichen Abstand.

Mycoplasma hominis:

 

Mycoplasma hominis ist u. a. ein Erreger von unspezifischen Infektionen des Urogenitaltrakts. Der Erregernachweis erfolgt mittels Anzüchtung (Goldstandard) oder PCR. Clindamycin ist ein wirksames Antibiotikum.

 

Mycoplasma genitalium:

 

Mycoplasma genitalium ist neben Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoe ein Erreger, der Entzündungen am Gebärmutterhals hervorrufen kann. Der Erreger ist schwierig anzüchtbar, da er sehr anspruchsvoll ist und extrem langsam wächst. Ein Nachweis mittels Nukleinsäure amplifizierender Technik (NAAT) ist möglich. Die Behandlung erfolgt durch 500 mg Azithromycin am  Tag 1, gefolgt von 250 mg Azithromycin für weitere 4-6 Tage in Form von Tabletten, alternativ Tabletten mit 400 mg Moxifloxacin tgl. über ca. 10 Tage.

 

Pilzinfekte des Genitale (Vaginalmykose):

 

Im Laufe ihres Lebens erleiden drei von vier Frauen mindestens einmal eine Vaginalmykose, die meisten erkranken sogar häufiger - durchschnittlich bis zu vier Mal. Nach Schätzungen gibt es in Deutschland zwischen drei und fünf Millionen Erkrankte sowie eine Millionen Ersterkrankungen jährlich. Die erfolgen meistens im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Verursacher einer Scheidenpilzinfektion ist in 90 % der Fälle der Hefepilz Candida albicans. Er findet sich in geringen Mengen zum Beispiel auch im Darm oder auf der Vaginalhaut gesunder Menschen. Erst bei Veränderungen des Scheidenmilieus, etwa durch Stress (erhöhter Cortisolspiegel) oder hormonale Schwankungen, kann es zur starken Vermehrung des Pilzerregers und damit zur Infektion kommen. Zudem kann der Hefepilz auch von außen in den Körper gelangen. Ansteckungsmöglichkeiten finden sich überall dort, wo es warm und feucht ist, zum Beispiel im Schwimmbad, in einer nicht gepflegten Sauna, durch Handtücher und auch beim Geschlechtsverkehr. Zu den Symptomen der Vaginalmykose zählen starker Juckreiz und Brennen im Genitalbereich sowie fester bis krümeliger Ausfluss. Häufig bildet sich ein Ekzem in der Scheidenumgebung bis zum Anus.

 

In über 90 % der Fälle ist Candida albicans der Erreger. Im Nativpräparat sieht man dann Pseudohyphen und vermehrt Granulozyten. Finden sich viele Sprosszellen (Blastosporen), die nur halb so groß erscheinen wie bei Candida albicans, so könnte eine Besiedlung durch Candida glabrata vorliegen. Dieser Hefepilz wird bei etwa 1-5 % der Fälle gefunden. Die Infekte sind in der Regel lokal leicht behandelbar.

 

Das Medikament Clotrimazol erfasst alle Pilzerreger, die Pseudomyzel bilden wie beispielsweise Candida albicans. Es wirkt aber auch (schwächer) auf bakterielle Keime wie Gardnerella vaginalis und antientzündlich. Das Wirkoptimum von Clotrimazol liegt im sauren Bereich, da ein niedriger vaginaler pH-Wert die Pilze gegen den Wirkstoff empfindlicher macht. Einigen Clotrimazol-Präparaten ist deshalb Milchsäure zugesetzt. Nach Behandlung einer Mykose ist es nicht mehr sinnvoll Milchsäure einzusetzen, da die Säure auf der noch gereizten und empfindlichen Haut brennt. Diese Haut braucht nur noch Pflege und Regeneration mit fetthaltigen Cremes wie Deumavan® (Vulva), Gelen wie Gynomunal®, die regenerierendes Vitamin E und Hopfen enthalten oder Befeuchtungsovula wie Kadefungin® mit Hyaluronsäure, Vitamin A und E (Vagina).

 

Während Candida albicans, Candida parapsilosis und Candida tropicalis hochsensibel auf die Behandlung mit Azolen reagieren, werden Pilzarten wie Candida glabrata und Candida krusei, die keine bzw. kaum Myzelien bilden, mit Ciclopiroxolamin und Nystatin als Mittel der Wahl behandelt. Dazu werden zwei Tuben Ciclopiroxolamin Creme á 35 g verwandt. Die Creme wird zweimal täglich tief vaginal eingeführt, auch die Schamlippen, die Vorhaut der Klitoris, der Scheideneingang der Hinterdamm und die Analfalten werden eingecremt. Nystatin in Scheidentablettenform sollte jeweils morgens und abends tief intravaginal eingeführt werden. Die Behandlung sollte über 12 Tage erfolgen. Begleitend sollte vor Therapiebeginn die Intimbehaarung rasiert werden. Um Rezidive zu vermeiden, ist es wichtig, vor der eigentlichen Therapie Keim-Reservoire wie Zahnprothesen bei Partnern zu untersuchen und zu behandeln. Candida glabrata ist ein typischer Prothesenkeim, der einer professionellen Zahn- und Prothesenreinigung zugänglich ist. Dazu gibt es Lutschtabletten mit Nystatin und Amphotericin B.

 

Problematisch sind die immer wiederkehrenden Entzündungen. Von einer chronisch rezidivierenden Pilzinfektion des Genitale spricht man, wenn sie mindestens viermal im Jahr auftritt. Häufig besteht dann eine genetische Veranlagung (Genpolymorphismen des Mannose-bindenden Lektins), eine schwache Glukosetoleranz, ein Diabetes mellitus oder eine generelle Neigung zu Atopien oder Allergien. Solche chronisch rezidivierenden Fälle mit starkem Befall der Vulva bedürfen in der Regel der Therapie in Tablettenform, denn es ist damit zu rechnen, dass die Pilze schon in tiefere Hautschichten vorgedrungen sind. Auf eine gleichzeitige topische Behandlung sollte nicht verzichtet werden, da man mit Tabletten die Vulva und die Umgebung der Klitoris nicht erreichen kann. Zudem ist die Partnertherapie erwägenswert, bei asymptomatischen Sexualpartnern wird sie allerdings nicht empfohlen. Die Bestimmung der Candida-Art ist notwendig, weil es selten Arten gibt, die gegen Fluconazol und andere Triazole nicht empfindlich sind (z. B. Candida krusei).

 

Zur Behandlung wird im Normalfall eine sogenannte degressive Therapie mit dem Wirkstoff Fluconazol (z. B. Flucobeta® 200 mg Hartkapseln) empfohlen (nach Donders et al. 2008):

  • Erste Woche Initialtherapie: je 200 mg Tag 1, Tag 3, Tag 5
  • 14 Tage später Pilzkultur, wenn negativ: 1x 200 mg wöchentlich 2 Monate lang
  • 14 Tage später Pilzkultur, wenn negativ: 1x 200 mg zweiwöchentlich 4 Monate lang
  • 14 Tage später Pilzkultur, wenn negativ: 1x 200 mg monatlich 6 Monate lang

Bemerkung: Falls Pilzkultur positiv, Rückgang auf den vorigen Therapielevel

 

Auch im Falle einer systemischen Therapie darf nicht auf eine topische Behandlung verzichtet werden, da innere Medikamente den äußeren Vaginalbereich, wie die Umgebung der Klitoris, nicht erreichen. Diese Lücke wird durch die topischen Präparate geschlossen, die alle 4 Wochen eintägig angewandt werden sollten. Damit wird der Erreger von zwei Seiten aus behandelt und konsequent beseitigt.

 

In Einzelfällen kann eine Suche nach Infektionsquellen im Körper hilfreich sein. Abstriche vom Mund beider Partner (von der Zunge und unterhalb der vorderen Zahnhälse), drei Stuhlproben der Patientin von drei verschiedenen Tagen, eine Spermaprobe bei Verdacht auf Candida glabrata oder ein Abstrich von der Glans penis bei Diabetikern kommen in Frage. Eine Darmsanierung kann mit Nystatin oder Amphotericin B (z. B. Biofanal® 100 Dragees, 2x2 tgl. über 25 Tage), die Sanierung der Mundhöhle über eine gründliche professionelle Zahnreinigung, eine Desinfektion von Zahnersatz oder Zahnspangen mit Ultraschall und Reinigungstabletten, Lutschtabletten mit Nystatin oder Amphotericin B oder einem Mundgel mit Miconazol erfolgen. 

 

Dermatosen können ebenfalls Juckreiz auslösen. Wenn keine Pilze nachweisbar sind oder das Anitmykotikum (Mittel gegen Pilzinfekte) nicht geholfen hat, sollte an eine Dermatose wie Lichen sclerosus, Lichen planus oder Psoriasis inversa gedacht werden.

Psoriasis inversa (Schuppenflechte):

 

Die Psoriasis inversa unterscheidet sich von der gewöhnlichen Form der Schuppenflechte darin, dass die Symptome "umgekehrt" (invers) auftauchen, also nicht an den Streck- sondern an den Beugeseiten der Arme und Beine. Außerdem können Achseln, Leisten, die Genitalregion und bei Frauen die Haut unterhalb der Brüste betroffen sein. Klinisch ist sie an der scharfen Begrenzung flächiger Rötungen zu erkennen. Meist fehlt die typische Schuppung, so dass sich die Psoriasis als stark gerötete erhabene Läsionen zeigt, teilweise mit schmerzhaften Einrissen der Haut.

Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes):

 

Streptokokken der Gruppe A finden sich bei 5 % aller Menschen im Nasen-Rachen-Raum und bei ca. 1 % der Frauen in der Scheide. Da sie auf einer Blutagarplatte Erythrozyten vollständig zersetzen (hämolysieren), werden sie ß-hämolysierende Streptokokken genannt. Sie sind die häufigsten Erreger einer schweren Entzündung der Vulva bei kleinen Mädchen. Klinisch besteht ein Brennen, eine meist diffuse, gelegentlich auch fleckförmige Rötung und dünner gelblicher Ausfluss. Im Nativpräparat sieht man reichlich Leukozyten und Kokken, die Kultur sichert den Nachweis. Auf Blutagar bilden sich etwa 0,5 mm große Kolonien mit glatter oder leicht rauher Oberfläche und großer die Kolonie um ein Mehrfaches übertreffender ß-Hämolysezone. Die Behandlung erfolgt mit Penicillin V-Saft, alternativ Makroliden wie Clindamycin oder Cephalosporinen, über 5-10 Tage. Resistenzen sind nicht bekannt.

Streptokokken der Gruppe A können unter anderen auch eine eitrige Angina tonsillaris bzw. Pharyngitis, ein Erysipel und Scharlach hervorrufen.

 Trichomonaden:

 

Trichomonaden werden häufiger bei Sexualkontakten übertragen. Die Infektion kann selten aber auch in Form einer Schmierinfektion über Gegenstände oder gemeinsam benutzte Toiletten erfolgen. Die Erreger führen zu einem lästigen gelben Ausfluss meist zusammen mit einem brennenden Schmerz. Die Beschwerden können zeitweise auch geringer ausgeprägt sein oder zeitweise sogar ganz fehlen. Die Infektion ist auf die Scheide beschränkt, die Gebärmutter wird nicht befallen.

 

Bei der Spiegeleinstellung zeigt sich der gelbe Ausfluss mit einer charakteristischen Bläschenbildung. Der Erregernachweis gelingt mittels Phasenkontrastmikroskopie im Nativpräparat (mehr als 100 Leukozyten im Gesichtsfeld), Kultur oder Nukleinsäureamplifikationstechnik. Trichomonaden sind zuckende, begeißelte Einzeller mit einer undulierenden Membran ähnlich dem Flossensaum einer Flunder auf einer Zellseite und haben etwa die Größe eines Leukozyten.

 

Trichomonaden haben einen anaeroben Energiestoffwechsel und sind deshalb gegen Metronidazol empfindlich. Da die Harnröhre häufig mitbeteiligt ist, sollte systemisch über 7 Tage behandelt werden, z. B. mit 400 mg dreimal täglich. Eine Eintagestherapie ist bei Frauen oft nicht ausreichend. Wichtig ist eine Partnermitbehandlung. 

Ulcus molle (Weicher Schanker):

 

Das Ulcus molle ist eine durch Infektion mit dem Bakterium Haemophilus ducreyi verursachte Geschlechtskrankheit, auch als weicher Schanker bekannt. In Deutschland ist das Ulcus molle selten, sehr häufig hingegen in tropischen Gebieten Afrikas, Amerikas und Asiens. Es sind hauptsächlich Männer betroffen. Bei Frauen verlaufen etwa die Hälfte der Infektionen asymptomatisch. Nach einer Inkubationszeit von 3-5 Tagen kommt es an der Eintrittsstelle des Erregers, häufig an den Schamlippen, zur Ausbildung einer oder mehrerer Papeln, die in den folgenden Tagen zu runden, weichen und sehr schmerzhaften Geschwüren werden, die wie ausgestanzt wirken. Parallel liegt bei über der Hälfte der Infizierten eine Schwellung der Leistenlymphknoten vor, die auch vereitern können. Der Verdacht ergibt sich aus dem klinischen Bild. Durch einen Abstrich aus dem Randbereich des Ulcus ist die Gewinnung von erregerhaltigem Material möglich. Dieses kann mikroskopisch untersucht werden. Die Bakterien zeigen häufig eine fischzugartige Lagerung. Eine weitere Labordiagnostik kann über Erregernachweis mit PCR erfolgen.

Differentialdiagnostisch ist das Ulcus molle vom Ulcus durum als Primäraffekt der Syphilis zu unterscheiden.

Nach den Europäischen Leitlinien (IUSTI) von 2010 besteht die First-Line-Therapie aus 250 mg Ceftriaxon i.m. als Single-Shot, alternativ einmalig 1g Azithromycin oral.

 Ureaplasma urealyticum:

 

Dieser fakultativ pathogene Mikroorganismus kann Bestandteil der Urogenitalflora bei Mann und Frau sein. Ureaplasma urealyticum besitzt keine Zellwand, womit es gegenüber einigen Antibiotika (z. B. Penicillin) resistent ist. Bei Frauen besiedeln sie den unteren weiblichen Genitaltrakt und können bei der Geburt häufig von der Mutter auf das Kind übertragen werden, bei dem sie u. a. die Ursache für Pneumonien oder chronische Infektionen des zentralen Nervensystems sein können. Der Nachweis gelingt im Normalfall nur mit Spezialnährböden. Je nach Ausprägung der Infektion wird bis zu 28 Tage mit Antibiotika behandelt. Wenn der Geschlechtspartner infiziert ist, sollte auch eine Partnerbehandlung stattfinden, um einer erneuten Ansteckung via Geschlechtsverkehr vorzubeugen. Meistens werden Doxycyclin (100 mg 2x tgl. über 7 Tage) aus der Gruppe der Tetracycline oder Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide (z. B. Azithromycin 1500 mg einmalig) verwendet. Die Heilungschancen gelten im Allgemeinen als gut.

Verruca vulgaris:

 

Die Verruca vulgaris ist ein gutartiger Hauttumor, der durch eine Virusinfektion der Haut verursacht wird. Sie stellt die häufigste virusbedingte Warzenform dar. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch oder durch Autoinokulation. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 20 Monaten.

Wie die Feigwarzen wird die Verruca vulgaris durch eine Infektion der Epithelzellen mit dem Human Papilloma Virus (HPV) ausgelöst. Zu den häufigsten Erregern zählen HPV-2 und HPV-4. Weitere mögliche Auslöser sind HPV-1, 3, 26, 29 und 57. Die Infektion führt zu einer Proliferation der Epithelzellen, welche die makroskopisch sichtbaren Hautveränderungen erzeugt.

Es finden sich einzeln oder in Gruppen, meistens scharf begrenzte, flach halbkugelige oder spitze Auswüchse der Haut; selten auch ganz flach, überwiegend an Händen und Füßen.

 Vestibulitis vulvae:

 

Die Vestibulitis vulvae ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die im Scheidenvorhof auftritt. Um den Ausgang der Bartholin-Drüsen und die neben der Harnröhre gelegenen Skeneschen Drüsengänge klagen die Patientinnen über punktförmige Schmerzen oder Brennen. Die Schmerzen sind auslösbar bei Berührung, zum Beispiel beim Einführen eines Tampons oder Penetration des Partners. Die häufigste Ursache ist eine chronische Candida-Infektion des unteren Genitaltrakts. Allerdings bleibt bei einigen Patientinnen der Pilznachweis aus.

 

Vestibulitis-vulvae-Syndrom:

 

Es handelt sich in Abrenzung zur Vestibulitis vulvae nicht um eine Entzündung, sondern um eine Ausstülpung der Haut des Bartholindrüsenausgangs. Es findet sich ein Erythem um die Mündungsstelle der Vestibular-Ausführungsgänge und ein auslösbarer Schmerz auf Berührung. Durch eine erzwungene Reepithelialisierung nach mehrfacher milder Denaturierung (Albothyl, Off-Label-Use) heilt sie meist aus.  

 

Zyklische Vulvovaginitis:

 

Unter einer zyklischen Vulvovaginitis versteht man ein vom Östrogenspiegel abhängiges Beschwerdebild. Es ist während der Gelbkörperphase am stärksten ausgeprägt. Schmerzen am Genitale, welche auch in Beziehung zum Koitus stehen, prägen das Erscheinungsbild. Die Symptome werden direkt postkoital verstärkt bemerkt und treten am folgenden Tag am stärksten auf. Postuliert wird eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Candida-Antigen. Durch die bestehende Immunreaktion kann Candida während der symptomatischen Phase nicht immer nachgewiesen werden. Kulturen sollen während der asymptomatischen Phase entnommen werden. Eine längere Erhaltungstherapie mit Antimykotika bringt Erleichterung und sollte bis zu 6 Monate erfolgen.

Exkurs: Nomenklatur der Vulva-Veränderungen

 

Anatomische Strukturen:

Urethra, Skene-Drüsenöffnungen, Klitoris, Praeputium clitoridis, Frenulum, Mons pubis, Labia majora, Labia minora, Sulci interlabiales, Vestibulum, kleine Vorhofdrüsenöffnungen, Bartholini-Drüsenöffnungen, Hymen, Fourchette, Perineum, Platten-Zylinderepithel-Grenze (Linea dentata)

 

Verdacht auf Neoplasie:

Grobe Neubildung, Ulzeration, Nekrose, Blutung, exophytische Läsion, Hyperkeratose mit oder ohne weiße, graue, rote oder braune Färbung

 

Definition der primären Läsionen:

Macula = Kleines (<1,5 cm) farbverändertes, nicht erhabenes, nicht palpables Areal

Fleck = Großes (>1,5 cm) farbverändertes, nicht erhabenes, nicht palpables Areal

Papel = Kleine (<1,5 cm) erhabene und tastbare Läsion

Plaque = Große (>1,5 cm) erhabene, palpable und abgeflachte Läsion

Knötchen = Große Papel (>1,5 cm), öfter halbkugelförmig oder unscharf begrenzt; an der Oberfläche, innerhalb oder unter der Haut; zystische oder solide Läsion

Zyste = Ein- bis mehrkammeriger Hohlraum, feste Kapsel; mit oder ohne Epithelauskleidung, gefüllt mit flüssigem bis festen Inhalt

Vesikel/Bläschen = Kleine (<0,5 cm) Blase, mit klarer Flüssigkeit gefüllt

Blase = Große (>0,5 cm) Blase, mit klarer Flüssigkeit gefüllt

Pustel = Mit Eiter gefüllte Blase, Inhalt ist weiß oder gelb

 

Definition der Sekundärmorphologie:

(entwickelt sich aus der primären Läsion durch proliferative Umwandlung, Entzündung, Rückbildung oder Abheilung)

Ekzem = Entzündliche, nicht infektiöse Intoleranzreaktion mit Juckreiz, unscharf begrenzte rote Plaques mit geringer Gefäßzeichnung und/oder (häufiger) Unterbrechungen der Oberfläche

Lichenifikation = Verdickung des Gewebes mit grober kutaner Reliefstruktur, mit oder ohne Schuppung, hellrot, dunkelrot, weiß oder hautfarben

Exkoriation = Substanzdefekt der Haut, der bis in die Dermis reicht (oft Kratzspuren)

Purpura = Multiple, kleinfleckige Kapillarblutungen in die Haut, Unterhaut oder Schleimhaut

Narbenbildung = Ersatzgewebe nach Wundheilung; oft weißlich, faserreich, gefäßarm

Erosion = Flache Haut-/Schleimhaut-Veränderung mit Verlust der Epidemis/des Epithels bei intakter Dermis

Fissur = dünner, gerader Einriss der Haut oder Schleimhaut

Ulkus = Tiefer Substanzdefekt der Haut mit Verlust der Epidermis und Teilen der gesamten Dermis

Anhang:
Meldepflichtige Krankheiten.pdf
PDF-Dokument [96.9 KB]

Anrufen

E-Mail

Anfahrt