Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
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Frauenheilkunde: Gutartige Erkrankungen - Hyperprolaktinämie

Prolaktin wird im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet. Die Aufgabe dieses Hormons besteht vor allem darin, den Stillvorgang nach der Geburt einzuleiten. Als Hyperprolaktinämie wird eine Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut bezeichnet.

 

Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann führen zu:

  • spontanem Austreten von Milch aus der Brustdrüse
  • einer Verminderung der Libido
  • Akne
  • Hirsutismus
  • einem Ausbleiben der Regelblutung
  • endokrinen Psychosyndromen wie Depression oder Ängstlichkeit.

 

Wichtigste physiologische Ursachen einer Hyperprolaktinämie sind:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • eine taktile Stimulation der weiblichen Brustwarze
  • Stress (physisch und/oder psychisch)
  • Unterzuckerung.

 

Wichtigste pathologische Ursachen einer Hyperprolaktinämie sind:

  • am häufigsten eine funktionelle Enthemmung durch einen verminderten Dopaminspiegel in der Hypophyse, z. B. infolge der Einnahme von Neuroleptika, Antidepressiva, Antihypertensiva, Gastroprokinetika oder Ulcustherapeutika
  • ein gutartiger Tumor des Hypophysenvorderlappens, ein sogenanntes Prolaktinom
  • eine primäre Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit einem Anstieg des Thyreoliberin (TRH), das im Hypophysenvorderlappen nicht nur die Produktion von Thyreotropin, sondern auch die von Prolaktin stimuliert
  • eine funktionelle Stimulation der Prolaktinproduktion, etwa bei einem Thyreotropinom, einem TSH produzierenden Hypophysentumor
  • als Folge einer Niereninsuffizienz
  • als Folge einer Leberzirrhose
  • in seltenen Fällen infolge eines Unfall oder Sturzes, wenn dabei der Hypophysenstiel beschädigt oder abgerissen wird.

 

Eine Hyperprolaktinämie liegt vor, wenn der Spiegel über 619 mIU/l (ca. 29 ng/ml) liegt. In der Schwangerschaft kommt es als Folge der zunehmenden Estrogenbildung und -wirkung zu einem kontinuierlichen Anstieg der Prolaktinspiegel auf bis zu 3200 mIU/ml (ca. 150 ng/ml). Vier bis sechs Wochen nach der Geburt erreichen die Prolaktinspiegel wieder die Normalkonzentrationen außerhalb der Schwangerschaft, es sei denn, die Patientin stillt.

Bei morgendlicher Messung erklärt sich ein erhöhter Prolaktinspiegel ggf. aus der tageszeitlichen Rhythmik. Auch zyklusabhängig kommt es zu Schwankungen. Eine Kontrolle sollte dann in der ersten Zyklushälfte am späten Vormittag oder Nachmittag (frühestens 2 Stunden nach dem Aufwachen) erfolgen.

Soweit in zumindest zwei voneinander unabhängig entnommenen Blutproben erhöhte Prolaktinspiegel außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit nicht medikamentös bedingt sind, sollten Werte über 5300 mIU/l (ca. 250 ng/ml) Anlass für den Ausschluss eines Prolaktinoms mit Hilfe hoch auflösender radiologischer Verfahren (Kernspintomographie) sein. Zuvor wird allerdings zur weiteren Differenzialdiagnostik der Ausschluss einer Makroprolaktinämie angeraten. Unter Makroprolaktin versteht man Verbindungen, die zwar nur eine geringe oder keine biologische Aktivität entwickeln, allerdings aufgrund der Mokelülgröße kumulieren und über die Niere schlechter ausgeschieden werden. Dadurch kommt es zu hohen Prolaktinkonzentrationen. Durch Fällung des Blutserums mit PEG (Polyethylenglycol) wird ausschließlich monomeres (kleines) und damit biologisch aktives Prolaktin im Überstand gemessen.

 

Beim MRT-Nachweis eines Prolaktinoms wird differenziert zwischen:

  • Mikroprolaktinomen unter 10 mm
  • Makroprolaktinomen ab 10 mm
  • Riesenprolaktinomen, die einen Durchmesser von 4 cm überschreiten oder sich mehr als 2 cm oberhalb der Sella turcica, einem Knochen in der mittleren Schädelgrube, ausbreiten

 

Prolaktinome können meist durch bestimmte Medikamente, sogenannte Dopaminagonisten (z. B. Bromocriptin, Cabergolin oder Quinagolid), behandelt werden. Eine Operation ist nur notwendig bei Therapieresistenz, Unverträglichkeit der Therapie, nicht rasch genug medikamentös beeinflussbaren Prolaktinomen mit Gesichtsfeldeinschränkungen, Kinderwunsch und beim Auftreten akuter Hirndruckzeichen wie starken Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit durch eine Tumoreinblutung nach Beginn einer Behandlung eines Prolaktinoms mit Dopaminagonisten. Bei Inoperabilität kann in diesen Fällen auch eine Bestrahlung durchgeführt werden.

Bei Mikroprolaktinomen führt Bromocriptin, meist in einer Dosierung von 7,5 mg täglich oder weniger,  in ca. 85 % der Fälle zu einer Tumorverkleinerung und Prolaktinsenkung. Im Falle eines Makroprolaktinoms scheint Cabergolin (Initialtherapie 2x 1/2 Tablette pro Woche) anderen Präparaten überlegen zu sein.

Eine erste Laborkontrolle ist nach 3-4 Wochen sinnvoll, um dann die Medikation weiter einzustellen. Zielbereich für die Einstellung sind 5-15 ng/ml, also der mittlere Referenzbereich für Prolaktin. Allgemein geht man davon aus, dass eine Therapiedauer von 2 Jahren sinnvoll sein sollte, bevor die Prolaktinhemmer wieder abgesetzt werden. Die Therapie der Hyperprolaktinämie ohne Prolaktinom unterscheidet sich nicht von der des Mikroprolaktinoms. Mit Nachweis eines Prolaktinoms liegt das Rezidivrisiko bei etwa 50 %, ohne Nachweis eines Prolaktinoms bei etwa 25 %. Vor dem Absetzen sollte ein erneutes MRT durchgeführt werden.


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