Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
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Frauenheilkunde: Arzneimittel & Naturheilmittel - Wechselwirkungen

Wechselwirkungen zwischen Sexualsteroiden wie Antibabypillen oder Wechseljahrshormonen und anderen Arzneimitteln können einerseits dadurch bedingt sein, dass durch die Begleitmedikation die Wirksamkeit der Steroide verändert wird. Zum anderen können aber auch Sexualsteroide Einfluss auf die Wirkung anderer, gleichzeitig verabreichter Medikamente haben. Diese Wechselwirkungen können sowohl eine Verstärkung als auch eine Abschwächung des Effektes des jeweiligen anderen Medikamentes zur Folge haben. 

 

Pharmakokinetische Wechselwirkungen werden dadurch verursacht, dass ein Arzneimittel die Aufnahme, Verteilung oder Ausscheidung eines anderen beeinflusst.

Mögliche Arzneimittelinteraktionen zwischen Sexualsteroiden (insbesondere Antibabypillen) und anderen, gleichzeitig angewandten Medikamenten
Arzneimittel Mechanismus Mögliche Folgen
Antiepileptika: Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenytoin, Primidon, Ethosuximid, Topiramat, Felbamat, Phenobarbital Diese Arzneimittel fördern die Verstoffwechselung der Sexualsteroide - Abbau der Sexualsteroide erhöht Durchbruchblutungen, Schwangerschaft
Lamotrigin, Valproinsäure Estrogene fördern die Verstoffwechselung - Abbau der Antiepileptika erhöht Vermehrt epileptische Anfälle
Antidepressivum: Johanniskraut Dieses Arzneimittel fördert die Verstoffwechselung der Sexualsteroide - Abbau der Sexualsteroide erhöht Durchbruchblutungen, Schwangerschaft
Antibiotika: Penicilline, Cephalosporine, Tetrazykline, Neomycin, Sulfonamide, Metronidazol, Nitrofurantoin Abtötung von verstoffwechselnden Darmbakterien - Aufnahme von Estrogenen im Körper reduziert Durchbruchblutungen, Schwangerschaft
Tuberkulostatika: Rifampicin, Rifabutin Diese Arzneimittel fördern die Verstoffwechselung der Sexualsteroide - Abbau der Sexualsteroide erhöht Durchbruchblutungen, Schwangerschaft
Antimykotikum: Griseofulvin Dieses Arzneimittel fördert die Verstoffwechselung der Sexualsteroide - Abbau der Sexualsteroide erhöht Durchbruchblutungen, Schwangerschaft
HIV-Therapeutika: Ritonavir, Ritonavir-Boosterpräparate, Nevirapin Diese Arzneimittel fördern die Verstoffwechselung der Sexualsteroide - Abbau der Sexualsteroide erhöht Durchbruchblutungen, Schwangerschaft
Adsorbentien: Medizinische Kohle, Colestyramin u.a. Aufnahme der Sexualsteroide im Körper reduziert Wahrscheinlich ohne klinische Relevanz
Antiemetikum: Aprepitant Dieses Arzneimittel fördert die Verstoffwechselung der Sexualsteroide - Abbau der Sexualsteroide erhöht Durchbruchblutungen, Schwangerschaft

Bei pharmakodynamischen Wechselwirkungen beeinflussen die Arzneimittel dieselben Zielorgane. Sie sind relativ selten und können z. B. darauf beruhen, dass

  • Sexualsteroide bei gleichzeitiger Anwendung von oralen Antidiabetika tendenziell die Glukosetoleranz reduzieren
  • die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Mitteln durch Estrogene vermindert wird
  • die Lebertoxizität bei gleichzeitiger Gabe von Cyclosporin A und Sexualsteroiden erhöht wird.

 

Management bei Steroid-Wirkminderungen von Antibabypillen:

Bei kurzfristiger, gleichzeitiger Gabe eines Medikaments, bei deren Anwendung eine Wechselwirkung, die zu einer verminderten Wirkung von Sexualsteroiden führen kann, gesichert ist, kommt im Falle der Einnahme einer Antibabypille die zusätzliche Anwendung von Kondomen in Frage. Derartige Vorsichtsmaßnahmen sollten während der Zeit der Einnahme des interagierenden Medikaments und mindestens über weitere 7 Tage darüber hinaus eingehalten werden. Falls das Absetzen des Medikamentes in den letzten 7 Tagen vor dem oder im pillenfreien Intervall erfolgt, sollte die Pillenpause ausgelassen und die Antibabypille über zwei Zyklen hinweg, d. h. zwei Packungen hintereinander, im Langzyklus eingenommen werden. Bei längerfristiger Gabe  sollte eine Antibabypille mit hoch dosierter Gestagenkomponente (doppelter Ovulationshemmdosis) gewählt werden, um die Gestagenwirkung auf den Gebärmutterhalsschleim auszunutzen. Auch sollte auf ein Tabletten-freies Intervall verzichtet werden. Ein Monitoring kann anhand der möglichen Durchbruchblutungen erfolgen. Bei häufigen, schweren bzw. verlängerten Durchbruchblutungen sollte nach Abfangen der Blutungen eine Hormon- oder Kupferspirale eingesetzt werden, da dann keine Wechselwirkungen zu erwarten sind. Auch bei sehr langer Komedikation sollte mit einer Spirale verhütet werden. Hierbei ist insbesondere zu bedenken, dass die Wirkminderung nach dem Absetzen der auslösenden Substanz noch über bis zu 4 Wochen anhalten kann.

 

Andere besonders gefährliche Kombinationen:

 

Interaktionen zwischen NSAID und Antihypertensiva

  • Am stärksten interagierende NSAID: Indometacin, Piroxicam und Naproxen
  • NSAID mit einem mittleren Effekt auf den Blutdruck: Ibuprofen, Diclofenac, Rofecoxib und Celecoxib
  • Keine signifikante Blutdruckerhöhung: Acetylsalicylsäure. Dies gilt auch im Fall einer bereits vorliegenden Hypertonie.

Interaktionen mit Statinen

Am häufigsten interagieren Statine mit folgenden Wirkstoffen:

  • Fibrate (besonders Gemfibrozil)
  • Azol-Antimykotika
  • Amiodaron
  • Makrolid-Antibiotika (vor allem Erythromycin und Clarithromycin, jedoch nicht Azithromycin)
  • Proteaseinhibitoren (z. B. Ritonavir)
  • Kalziumkanalblocker (besonders Verapamil und Diltiazem)

Interaktionen zwischen Protonenpumpenhemmern und Schilddrüsenhormonen

  • Die Wechselwirkungen zwischen L-Thyroxin und Omeprazol oder Pantoprazol können eine Dosiserhöhung des Schilddrüsenhormons erforderlich machen. Obwohl PPIs eine 24-h-Wirkung haben, ist hier eventuell die Einnahme des PPIs vor dem Abendessen und nicht wie üblich vor dem Frühstück zu bevorzugen.
  • Bei gleichzeitiger Verordnung von L-Thyroxin-Präparaten mit Antazida sollte auf einen zeitlichen Abstand von vier Stunden zwischen der jeweiligen Einnahme geachtet werden.

Gyrasehemmer (Chinolone)

  • Fluorchinolone wie Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin oder Oxifloxacin verlängern die QT-Zeit, ebenso wie Citalopram, Quetiapin und andere Antidepressiva, Pregabalin, Risperidon und weitere Psychopharmaka, Amiodaron und andere Antiarrhythmika.
  • Die potenzierende Wirkung auf die QT-Zeit und dadurch möglicherweise auftretende Rhythmusstörungen können Patienten gefährden.

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