Praxis Dr. med. Uwe Nabielek Frauenheilkunde und Geburtshilfe
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Empfängnisverhütung: Natürliche Verhütung

Die natürliche Verhütung basiert auf dem Wissen, dass in jedem Menstruationszyklus nur ein Eisprung stattfindet, und dass ab drei Tagen nach dem Eisprung bis zur Menstruation keine Befruchtung mehr stattfinden kann. In dieser Zeit und während ihrer normalen Menstruation kann eine Frau also ungeschützten Sex haben, ohne schwanger zu werden.

Um den Eisprung herum kommt es zu einer Änderung der hormonellen Situation, die mit einer geringen Erhöhung der Körpertemperatur um 0,2 bis 0,5 Grad einhergeht. Außerdem steigt im Blut die Konzentration des Hormons an, das den Eisprung hervorruft (Luteinisierendes Hormon = LH), und der Schleim, der den Gebärmutterhals zur Gebärmutter hin verschließt, wird durchlässiger und glasiger. Diese drei Faktoren sind es, mit deren Hilfe eine Frau bestimmen kann, ob und wann ihr Eisprung stattgefunden hat. Sicherheitshalber wartet man noch 3 Tage, obwohl die Eizelle nur 24 Stunden unbefruchtet lebt. Von diesem Zeitpunkt an bis zur Menstruation muss beim Sex nicht mehr verhütet werden, es ist dann nicht mehr möglich, schwanger zu werden.

Aber wann genau findet der Eisprung statt? Eine Faustregel sagt, dass dieser Zeitpunkt normalerweise etwa 12 bis 16 Tage nach dem Beginn der letzten Menstruationsblutung erreicht ist. Es kann aber genauso auch passieren, dass der Eisprung früher oder später stattfindet, und in dieser Zeit ist die Chance besonders hoch, dass der Sex zu einer Befruchtung und zu einer Schwangerschaft führt. Sich allein auf den Kalender und das Zählen der Tage zu verlassen, ist also extrem unsicher.

Eine seit Jahrzehnten bekannte Methode, um den Eisprung festzustellen, ist das morgendliche Messen der Temperatur. Dazu muss die Frau morgens noch vor dem Aufstehen möglichst immer zur gleichen Zeit ihre Temperatur messen, nicht unter dem Arm oder im Ohr, sondern unter der Zunge, in der Vagina oder im After, und immer mit derselben Methode. Dieser Wert wird dann täglich in den Kalender, eine Tabelle, eine Grafik, eine App oder einen Computer zur Familienplanung eingetragen. Wenn die Messungen wirklich exakt durchgeführt werden, dann kann der geringe Temperaturanstieg um den Eisprung herum festgestellt werden, vor allem deshalb, weil danach bis zum Ende des Zyklus die Temperatur erhöht bleibt. Mit einiger Erfahrung – das braucht oft einige Zyklen – kann die Frau dann die Erhöhung der Temperatur aus ihrer Tabelle ablesen und ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmen.

Allerdings steigt die Körpertemperatur bereits leicht an, wenn man

  • länger ausschläft,
  • vor dem Temperaturmessen bereits aufsteht oder Sex hat,
  • später ins Bett geht,
  • abends noch Sport macht,
  • Alkohol trinkt,
  • eine Infektion hat,
  • unter Stress leidet und schlecht schläft,
  • große Anstrengungen bewältigen muss oder auf Reisen ist.

Auch bei Frauen im Schichtdienst oder mit stark wechselnden Arbeitszeiten und Nachtarbeit sind die Temperaturkurven praktisch nicht zu verwenden.

Solche Temperaturschwankungen müssen berücksichtigt werden, wenn eine Frau versucht, den Zeitpunkt ihres Eisprunges mit der Temperaturmethode zu bestimmen. Sie können dazu führen, dass man meint, dass der Eisprung bereits stattgefunden hat, obwohl es noch gar nicht der Fall war. Wenn die Frau nach einer solchen Temperaturerhöhung aufhört, Barrieremethoden wie Kondom oder Diaphragma zur Verhütung zu verwenden, kann das zu einer unerwünschten Schwangerschaft führen.

Deshalb ist die Temperaturmethode nur für Frauen geeignet, die eine sehr regelmäßige Lebensführung und auch einen regelmäßigen und zuverlässigen Zyklus haben und bereit sind, auf spontanen Sex zu verzichten. Bei jungen Mädchen und Frauen etwa bis 18 Jahre ist die Temperaturmessung nicht zuverlässig genug.

Etwas genauer kann eine Frau den Eisprung bestimmen, wenn sie per Urinstreifen um den vermuteten Eisprung Hormonmessungen durchführt, z. B. mit Hilfe von Persona. Die Teststreifen sind in der Apotheke erhältlich. Einige der Messsysteme zur Familienplanung sind vom TÜV zertifiziert, ebenso wie eine neue App (Natural Cycles), die eine Zertifizierung als Verhütungsmethode hat. Dieses Zertifikat sagt aber nichts aus über die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Methode. Auch bei diesen Methoden ist ein stabiler, regelmäßiger Zyklus eine Voraussetzung.

Viel Übung und Erfahrung braucht es, den Zervixschleim zu untersuchen. Viele Frauen können aber trotz Schulung keine Unterschiede im Aussehen und in der Zähigkeit des Schleims vor, während und nach dem Eisprung feststellen.

Das wesentliche Kriterium dafür, ob die natürliche Verhütung eine sinnvolle Alternative sein könnte, ist die Frau selbst, ihre Lebensführung, ihre Bereitschaft zu einer täglichen, regelmäßigen Temperaturmessung und ihre Bereitschaft, an fruchtbaren Tagen auf Sex zu verzichten oder konsequent Barrieremethoden zu verwenden.

Die natürliche Verhütung ist am besten für Paare in einer Langzeitbeziehung geeignet, die sowieso irgendwann ein Kind wollen, und bei denen eine Schwangerschaft kein Drama ist.


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